Jeden Freitag neue Buchtipps

Es gibt nicht viel Regelmässigkeit in meinem Leben. Eigentlich gar keine. Aber eins ist sicher: Jeden Freitag schreibe ich eine Mail an meine Kontakte, in denen ich ihnen for free mindestens einen guten Buchtipp gebe zusammen mit der Info, wieso dieses Buch oder die Bücher für mich so wertvoll sind. Eintragen lohnt sich.


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Das Erbärmlichste, was mir in Prag passiert ist

Heute möchte ich euch das Erbärmlichste erzählen, was mir passiert ist, als Nina und im September 2016 in Prag waren.

Ich muss sagen dafür, dass sie Veganerin ist, hatten wir echt ne verdammt gute Quote bei den Restaurants. Aber irgendwann musste die Glückssträhne abreissen. Sie hat mich in ein veganes Rohkostrestaurant geschleppt, das leider nicht ganz so hipstermässig unterwegs war, sondern eher an eine verrauchte Kneipe in Hamburg St. Pauli in den 1980er Jahren erinnerte. Zwar sagte Nina mir gefühlte 10.000x, dass wir auch woanders hingehen könnten, wenn ich dort nichts finde.

Aber ich dachte mir: „Ach komm, scheiß drauf… einfach ausprobieren. Wenn das Essen dann scheiße ist, dann habe ich bei dem Wechselkurs auch nichts verloren…“ und ich sagte noch ganz gönnerhaft: „Was soll denn passieren?

Im Worstcase gehen wir danach einfach noch mal zu McDonalds und gut“

Aber meine Lieben. Dies war der Tag, an dem ich etwas gelernt habe. Etwas für mein Leben.

Merkt euch, dass sich hinter jedem Worst Case ein noch viel größerer Worst-Worst-Case versteckt.

Alter. Es war so schrecklich. Ich kann gar nicht darüber sprechen.

Ich habe also die „Zucchini Spaghetti in Tomatensauce bestellt“.

Es existierte mal ein Bild davon, aber in der unendlichen Gnade von Snapchat ist es nach 24 Stunden für immer aus dem Gedächtnis des Internets getilgt worden. Leider nicht aus meinem. Die himmlische Gnade des Vergessens hat mich leider noch nicht ereilt.

Auf jeden Fall war es so widerlich. Alter. OMG. Es war so schlimm. Und es war so viel. Für umgerechnet 5 Euro haben die mir einen ganzen Berg vorgesetzt. Ich meine natürlich ein Schlachtfeld. Es war so viel… ich saß ewig da dran (wie bei allem, was ich esse) und als Nina schon lange mit ihrem Essen fertig war und  irgendwann auf die Toilette ging, saß ich immer noch vor dem Zucchini-Hiroshima. Ich habe nur ein bisschen was davon essen können und trotzdem war mir die ganze Rückfahrt so schlecht.

Ich wollte es aber auch nicht so zurückgehen lassen, weil das so unhöflich ist.

Also bin ich auf die großartige Idee gekommen, es in eine Serviette zu wickeln und verschwinden zu lassen.

Kleine Anmerkung am Rande: In meinem erweiterten Freundeskreis hörte ich von Leuten, die Kontakte haben um Menschen „verschwinden“ zu lassen. Nur aus Gründen der Allgemeinbildung erkläre ich euch, dass es dort zwei Preismodelle gibt. Es gibt „Weg“ und „ganz weg“ und man sollte immer für das Upgrade bezahlen. Wenn ich also einen tschetschenischen Killer bezahlen werde, um tschechische Hiroshima Spaghetti verschwinden zu lassen. Dann zahle ich für das Upgrade und muss mir nicht selbst die Hände schmutzig machen. Mit einem Berg aus Servietten.

Ich bin sicher; alle Menschen in diesem Restaurant haben gesehen, was ich getan habe.

Als ich alle Servietten nehmen musste, um ES da reinzustopfen.

Es war so viel. Und es war so fettig, dass sie alle durchgeweicht sind.

Und dann wollte ich die „Nudeln“ mit der Serviette vom Teller heben… aber sie hingen da fest… und so musste ich voller Schande nach einer Gabel greifen, um sie in die Serviette zu zwängen.

Wenig später saß ich mit dem triefenden Bündel in der Hand dort und habe es unter dem Tisch festgehalten.

Es sah aus, als hätte ich einen in Tücher gewickelten abgetriebenen Säugling in der Hand. Und eine Nudel hing noch an der Seite raus. Wie die abgerissene Nabelschnur.

Nun und dann saß ich da. Mit meinem abgetriebenen Baby unter dem Tisch. Und musste es irgendwie loswerden. Eine Babyklappe gibt es ja in Tschechien nicht. Aber es tropfte. Nur, dass Nina immer noch nicht zurück war. Also bin ich ebenfalls auf die Toilette gerannt. Mit dem Säugling auf dem Arm. Und habe ihn da in den Müll geschmissen. Ich schwöre, es war eine Abtreibung in der Mülltonne. Eine Abtreibung.

Dann kam Nina irgendwann wieder. Schaute auf den Teller. Sah, dass von dem ganzen Eimer Servietten, den wir hatten, keine  mehr übrig war und fragte vollkommen entsetzt:

WAS HAST DU GETAN?

Dann kam der Kellner. Ich konnte ja nicht alles verschwinden lassen. Und er fragte, ob das Essen nicht gut war.

Ich sagte: Es war fabelhaft, nur leider viel zu viel und so viel habe ich nicht essen können.

Wenn sie irgendwann auf die Toilette gehen und die Abtreibung finden, dann wissen sie, dass ich gelogen habe.

Sam
 

Ich bin Sam, 27, Reisender und zur Zeit „obdachlos auf ganz hohem Niveau“. Ich habe mal sehr viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat.

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