Jeden Freitag neue Buchtipps

Es gibt nicht viel Regelmässigkeit in meinem Leben. Eigentlich gar keine. Aber eins ist sicher: Jeden Freitag schreibe ich eine Mail an meine Kontakte, in denen ich ihnen for free mindestens einen guten Buchtipp gebe zusammen mit der Info, wieso dieses Buch oder die Bücher für mich so wertvoll sind. Eintragen lohnt sich.


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Das Mindset des Gewinners

Gestern Abend habe ich mir einen Videokurs über Billard gekauft. Obwohl er nicht so hochprofessionell aufgenommen war, war ich total begeistert. Ich spiele selbst nur ab und zu Billard, eigentlich eher selten. Aber es reizt mich einfach, herauszufinden, wie Sachen funktionieren. Vor allem interessiert mich, was alle erfolgreichen Menschen auf einer Art Metaebene gemeinsam haben. Denn mir ist schon oft aufgefallen, dass es so etwas wie universelle Eigenschaften gibt, die man für Erfolg einfach braucht. Die Videos, die ich letzte Nacht durchgesuchtet haben, haben mich genau in dieser Annahme bestätigt.

Wir suchen immer nach „dem Geheimrezept“ nach möglichst komplizierten Vorgängen, auf die wir nie zuvor gekommen wären. Nach einer Abkürzung, mit der wir uns diesen ganzen offensichtlichen Rotz sparen können. Die Wahrheit ist aber: das Wissen, das du brauchst ist überwiegend schon verfügbar. Die Leute, die es wirklich gut machen, haben das Rad auch nicht neu erfunden.

Ich habe in diesem Blog schon an anderer Stelle darüber geschrieben, dass die Grundlagen das Wichtigste sind. Das Wichtige ist nicht, dass du tausend fancy Wege kennst, sondern dass du die simplen Prinzipien verdammt gut beherrschst. So, wie einst Bruce Lee sagte:

„Ich fürchte nicht den Mann, der 10.000 Kicks einmal geübt hat, aber ich fürchte mich vor dem, der einen Kick 10.000 mal geübt hat.“

— Bruce Lee

Die meisten Anforderungen, die wir erfüllen müssen, um erfolgreich zu sein sind simpel. Aber sie sind nicht einfach. Denn wir müssen dran bleiben. Es sind die simplen Schritte, die wir immer wieder und wieder wiederholen, bis wir sie perfektioniert haben, bis wir so viel Erfahrung haben, dass wir in jeder Situation genau zu reagieren wissen.

Sport fasziniert mich

Weil nicht der gewinnt, der am meisten „weiß“.

Wir sehen das sehr gut beim Fußball. Man kann einfach bessere Spieler „einkaufen“. Alles Wissen ist verfügbar. Wir können heute entscheiden, dass unser Kind Profifußballer wird. Tausende DVDs kaufen, Bücher, Top Trainer bezahlen. Doch das ist nicht das Entscheidende. Ich will auch nicht sagen, dass das Entscheidende Talent ist (dazu gleich weiter unten mehr). Das Entscheidende ist nicht, wie viel du weißt.

Denn Wissen ist überall verfügbar. Jeder hat 24 Stunden am Tag verfügbar, um alles frei verfügbare Wissen dieser Welt zu konsumieren. Natürlich gibt es noch ein bisschen „Geheimwissen“ (in Form der Erfahrungen von Menschen, die ihre Erfahrungen nicht so offen teilen). Aber dieses „Geheimwissen“ macht nen Unterschied, wenn man schon sehr weit oben ist. Bis dahin geht es um die frei verfügbaren Quellen.

Den wirklichen Unterschied macht aber nicht, wer am meisten Theorie suchtet oder wer mehr Zugang zu Informationen hätte. (Das ist das geile an dieser Welt, noch nie in der Geschichte der Menschheit sind wir so leicht an Wissen gekommen).

Den großen Unterschied machen genau zwei Faktoren

1: Setzt du es um?

Du kannst jeden Tag stundenlang Theorie aufnehmen, davon wirst du aber nicht besser. Denn dann „weißt“ du nur, wie es geht. Du kannst es aber nicht. Um etwas wirklich zu verstehen, musst du es abspielen können, ohne darüber nachzudenken. Und dazu muss es ein Reflex werden. Ich glaube, das kann man mit Kampfsport ganz gut vergleichen.

Es ist eine Sache dir ganz viele Bücher anzuschauen, wo du jemanden treffen musst, damit er K.O. geht. Doch, um dieses Wissen wirklich in einer Situation anzuwenden, wo du es brauchst, darfst du nicht mehr darüber nachdenken.

Die 2-3 Sekunden, die du brauchst, um das Wissen aus deinem Gedächtnis abzurufen und einzusetzen (gepaart mit dem Zögern durch Unsicherheit), sind zu lang. Um das Wissen wirklich gewinnbringend einzusetzen, musst du es so lange üben, dass es eine automatische Abfolge wird. Du musst deinen Körper quasi darauf konditionieren. Wenn A passiert, mache ich B. => Wenn ich von hinten diesen Angriff spüre, dann führe ich diesen Schlag aus. Wenn du das einmal in einem Buch gelesen hast, wird es dir nichts bringen. Du brauchst zu lange, um die Situation zu bewerten. Um darüber nachzudenken: „mach ich jetzt lieber das oder das? Verdammt, wie ging das noch mal?“.

Stattdessen musst du deinen Kopf ausschalten, du musst deinen Körper so sehr darauf konditioniert haben, dass er automatisch reagiert.

Sei die Snackmaschine

Dass du einfach nur die Snack-Maschine bist, wo man nen Euro reinwirft und ein Snickers kommt raus. Und nicht der Praktikant im Kiosk der erstmal auf die Preisliste schauen muss, wie viel Wechselgeld er dir darauf rausgeben muss. 

Mir ist aufgefallen, dass ich in den Situationen, in denen ich wirklich gut bin, also wenn ich wirklich im Flow bin, nicht nachdenke.

Achte bei dir mal drauf. In solchen Momenten denkst du nicht: du reagierst einfach. So wie du es tausend Mal getan hast und meistens tust du instinktiv das Richtige.

Wenn du auf der Autobahn bist vor dir jemand auf deine Spur wechselt, dann fängst du ja auch nicht an im Kopf zu rechnen wie dein Bremsweg ist.

Stattdessen weißt du – wenn du viel Erfahrung hast – einfach wie stark du bremsen musst, damit du wieder genau den Abstand hast, den du haben willst.

Weil du es schon tausend Mal gemacht hast. Weil diese bewusste Kompetenz (Situation bewerten, überlegen, entscheiden) zu einer unbewussten Kompetenz (einfach reagieren) geworden ist.

2: Mentale Stärke

Kommen wir noch mal auf die Videos zurück, die ich mir gestern angeschaut habe. Was mich wirklich beeindruckt hat ist, wie viel mentale Stärke bei diesem Spiel mitspielt. Es ist ähnlich wie beim Pokern. Du hast auf der einen Seite die mehr oder weniger simplen Abläufe. Das ist einfach Physik. Du triffst die Kugel so, sie rollt dahin und zack. Das könnte auch ein Roboter. Dem würde man vorher einprogrammieren, wie er die Situation zu bewerten hat und wie er sich dann entscheidet und ausführt. Das sind relativ simple Abläufe, die man durch ständiges Üben verinnerlicht.

Aber das wirklich krasse ist, dass es nicht darum geht, wer die besseren Fähigkeiten hat. Zumindest ab nem bestimmten Level nicht mehr. Es ist klar, dass ein Anfänger nicht gegen einen Profi gewinnen wird. Denn der Profi hat die Techniken tausend Mal besser drauf. Aber wenn die Fähigkeiten beider Spieler mehr oder weniger gleich sind, dann geht es um mentale Stärke. Es geht darum, sich nicht anmerken zu lassen, wie man sich fühlt. Darum, sich auf das Spiel zu konzentrieren und nicht darauf, was der andere gerade von einem denkt.

Es geht darum, mit seinem Handeln keine Unsicherheit zu verraten, um dem Gegner nicht so viel Macht über sich selbst zu geben. Das sind Verhaltensweisen, die wir auch aus vielen anderen (nicht nur sportlichen) Disziplinen kennen.

Und das ist eigentlich das, worauf es wirklich am meisten ankommt. Egal, was du machst. Es geht immer darum, dass du in der Stresssituation „stark“ genug bist, um das Wissen einfach abzurufen und nicht in diesen „Fight or Flight“-Modus zu verfallen. Oder dich von deinen Gefühlen lenken zu lassen.

 

Talent?

Ob es Talent wirklich gibt ist eine Frage, die in der Erfolgsliteratur seit den 90ern ziemlich stark diskutiert wird. Die einen sagen, es gäbe Talente, die anderen sagen es gäbe sie nicht. Ist so die Frage nach Anlage und Umwelt. Einen spannenden Ansatz zu dieser „Anlage versus Umwelt“-Diskussion fand ich unter anderem im Buch Marshmallow Effekt von Walter Mischel (Affiliatelink) btw. sehr gutes Buch. Um es kurz zu fassen, schreibt er da, dass sich bestimmte Anlagen eben nur unter bestimmten Umweltfaktoren zeigen. Bspw. ist jemand zwar dumm, aber er wird trotzdem nicht dumm wirken, wenn er sich nicht in einer Umwelt befindet, die diese Dummheit fördert. Um das jetzt ganz einfach zu sagen.

Aber, um wieder auf die Ursprungsfrage zu kommen: gibt es Talent? Gibt es so ein Schicksal, dass manche Menschen es gar nicht erst versuchen brauchen, weil sie es eh nicht können werden? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass ich mich besser damit fühle, je weniger ich an diesen Determinismus glaube. 

Im Buch Überflieger von Malcolm Gladwell (Affiliatelink) habe ich dazu eine spannende Sache gelesen. Ich fass das mal grob zusammen (für alle, die mehr wissen wollen: Morgen meinen wöchentlichen Buchnewsletter lesen. Hier könnt ihr euch eintragen):

Es ist aufgefallen, dass die Spieler in Nationalmannschaften gehäuft am Anfang des Jahres Geburtstag haben. Es haben also prozentual mehr Männer in den Frühlingsmonaten als im Herbst Geburtstag. Da sich dieses Phänomen auf alle möglichen Sportarten übertragen lässt, ist naheliegend, dass es etwas zu bedeuten hat.

Hier ein Erklärungsversuch:

Kinder werden in Sportvereinen immer nach Jahrgängen geordnet. Jemand, der im Januar Geburtstag hat und mit vier anfängt Fußball zu spielen ist körperlich viel weiter entwickelt, als sein Teamkollege, der im Dezember Geburtstag hat und somit fast ein Jahr jünger ist. In diesem frühen Entwicklungsstadium macht ein Jahr ne Menge aus. Kinder, die also sowieso schon überlegen sind, bekommen deutlich mehr positiven Zuspruch und Aufmerksamkeit. Dadurch sind sie langfristig eher motiviert mehr zu tun, um weiter diese Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die Kids bekommen also mehr Aufmerksamkeit. Also haben sie mehr Bock darauf jedes Training mitzumachen und werden seltener schwänzen. Sie ziehen ihren Selbstwert daraus. Daraus folgt, dass sie auch Bock haben in ihrer Freizeit zu trainieren. Als nächstes kommen sie dann vielleicht in eine bessere Mannschaft. Haben Lust auf ein Sommercamp, um ihre Fähigkeiten weiter zu perfektionieren usw. Das ist ein Schneeballeffekt. Durch die erhöhte Aufmerksamkeit und den Zuspruch, der auf einem Faktor beruht, für den sie überhaupt nichts können, folgt immer mehr Eigeninitiative.

Wenn man das weiß hat man zwei Möglichkeiten, um ein erfolgreiches Sportlerkind in die Welt zu setzen:

  1. Im Spätfrühling oder Frühsommer poppen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass das Kind Anfang des nächsten Jahres zur Welt kommt. Wenn es ein Frühchen wird: Nicht aufgeben, beim nächsten Kind versuchen!
  2. Sich über die Vorurteile bewusst sein und bewusst Gegensteuern. bzw. sich dieses Wissen zu Nutze machen. Die Motivation durch andere äußere Faktoren aufrecht halten und die intrinsische Motivation fördern.

Das zweite gilt umso mehr für uns selbst. Ich denke bei den meisten, die das jetzt lesen ist der Zug zum Fußballprofi schon abgefahren. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen oder mit einer Zeitmaschine zu unserem 4 jährigen Ich zurückreisen und sagen:

„Hey willst du mit 30 schon eine schmerzhafte Knieverletzung haben, die die deine Karriere ruiniert und deine ganze Jugend durch keinen Alkohol trinken oder rauchen, weil du alles für deine Karriere tun musst? Dann geh heute auf jeden Fall zum Training!“

Aber wir können das, was andere schmerzhaft herausgefunden haben nutzen, um das Beste aus unserer jetztigen Situation zu machen.

Und ich kann mich nur immer wieder wiederholen: es sind die verdammten Basics.

Wiederhol die grundlegenden Techniken so lange, bis du dich darauf konditioniert hast, sie ohne Nachzudenken auszuführen. Bis du die Snack Maschine bist und nicht der pickelige 8 Klässler, der im Kiosk Praktikum macht und die Preisliste verschlampt hat.

Versuch deine intrinsische Motivation aufrechtzuhalten, indem du deinen Fortschritt protokollierst und es für den Weg tust, statt für das Ziel.

Sam
 

Ich bin Sam, 27, Reisender und zur Zeit „obdachlos auf ganz hohem Niveau“. Ich habe mal sehr viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat.

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Florian Lapiz - 16. November 2017

Moin Sam,
ich muss es einfach mal los werden. Du hast definitiv mehr Reichweite verdient. Deine Beiträge sowie Dein Newsletter gehören zu meinen Highlights und in meinem fortgeschrittenen Alter hat das was zu bedeuten. Mach weiter Dein Ding und lass Dich mal wieder bei mir im Podcast blicken!

Beste Grüße aus Hamburg
Flo

Reply
    Sam - 16. November 2017

    Danke Flo! Das ist echt super motivierend von dir zu hören 😀 Podcast auf jeden Fall sehr gerne

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