Eine Welt ohne Email (Buchrezension)


„Eine Welt ohne Email“ ist das neue Buch von Cal Newport und es passt wunderbar zu den Themen, mit denen ich mich gerade verstärkt beschäftige. Einige von euch wissen, dass ich generell ein großer Fan von Cal Newport bin und sein Buch „Konzentriert arbeiten“ (im englischen Original „Deep Work“; die deutsche Version ist ebenfalls bei Redline erschienen) zu einem meiner meistempfohlenen Produktivitätsbücher zählt.

Als ich „Deep Work“ vor etwa 4 Jahren das erste Mal als Hörbuch auf einem Flug von Bangkok nach Istanbul gehört habe, war ich sofort begeistert. Newports These, dass es nicht darauf ankäme, wie viel man arbeite, sondern dass man in der Zeit, in der man arbeitet, wirklich komplett konzentriert sei und nicht noch tausend Sachen nebenbei mache, deckte sich wunderbar mit meinen eigenen Erfahrungen von produktiver Arbeit. 

„Eine Welt ohne Email“ geht noch einen logischen Schritt weiter und nimmt das Phänomen Email genauer unter die Lupe. Wobei das, was Newport über Emails sagt, auch auf Social Media und auf Instant Messaging zutrifft.

Im Großen und Ganzen spricht er nämlich von Unterbrechungen und von Shallow Work

Shallow Work 

Shallow Work ist ein Begriff, den Newport erstmals in „Deep Work“ eingeführt hatte. Hier unterschied er zwischen Deep Work, also konzentrierter Arbeit, die echte Werte schaffe und Shallow Work. Shallow Work ist oberflächliches Arbeiten, bei dem man sich produktiv fühlt, aber eigentlich keinen langfristigen Mehrwert schafft. 

Emails sind ein Paradebeispiel für Shallow Work. Ich muss mir an der Stelle selbst noch mal eingestehen, wie priviligiert ich eigentlich bin. Denn ich habe in der vergangen Woche genau 48 Minuten mit meinem Email Postfach verbracht. Wohingegen die meisten Wissensarbeiter, Büroangestellten, Unternehmer etc. jeden Tag mehrere Stunden für die Bearbeitung von Emails aufbringen. Es ist nicht nur, dass Emails uns ständig unterbrechen. Sie stehlen uns häufig auch eine Menge Zeit, die wir viel besser nutzen könnten. Durch sinnloses Email Pingpong oder durch unzählige Nachrichten, die wir gar nicht bräuchten.

Wahrscheinlich bin ich einfach ein unhöflicher Gesprächspartner und geradezu unprofessionell, denn sehr viele Emails beantworte ich nicht mal. Nachdem ich das Buch von Newport gelesen habe, fühlte ich mich damit aber etwas besser. Denn jetzt weiß ich, dass ich damit vielleicht gar nicht so viel falsch mache.

Cal Newport führt uns in seinem Buch eindrucksvoll vor Augen, dass die Email in vielen Fällen ein schlechtes Kommunikationsmittel ist. Vor allem, weil sie uns von Arbeit abhält, in die wir tiefer eintauchen und somit echten Mehrwert schaffen könnten.

Das deckt sich sehr gut, mit anderen Büchern, die ich in dieser Richtung gelesen hatte. Auch Chris Bailey schreibt in „Calm your Mind“ (ebenfalls erschienen bei Redline), dass wir produktiver werden würden, wenn wir mit mehr Hingabe an unseren Aufgaben arbeiten würden, statt ständig von einer Task zur anderen zu springen.

Eine Welt ohne Email hat mich in vielerlei Hinsicht bereichert und unterstützt mich darin, meinen Alltag noch ablenkungsfreier zu gestalten. Allerdings müssen wir realistisch bleiben und uns klar machen, dass vieles davon einfach nicht für Menschen in großen Konzernstrukturen oder allgemein in komplexeren Strukturen umsetzbar ist. Das ist schade, lehrt mich aber zusätzlich noch einmal Dankbarkeit dafür, dass ich meinen Alltag so organisieren kann, wie es für mich am besten ist.