Ich bin ein Anzugnerd. Das kriegt man auf Snapchat (SamFeuerstein) und Instagram immer ein bisschen mit, aber auf meinem Blog habe ich mich bisher zurückgehalten. Jetzt wollte es das Schicksal aber so, dass ich in den Genuss kam, bei der lieben Karo von thecuriouslifeofkaro.de einen Gastartikel über Anzüge zu schreiben. Dieser erschien im Februar und nächste Woche kommt ein Folgeartikel über Hemden. Dazu passt natürlich auch das Thema »Einstecktücher«, denn Einstecktücher machen den Unterschied. Den Unterschied zwischen »Ich muss einen Anzug tragen, weil ich in einer Bank arbeite« und »Ich darf einen Anzug tragen, weil ich einen fancy Lifestyle habe«. Sie sind hip, zeitgemäß und man sieht sie viel zu selten. Zumindest in Deutschland, denn ich habe den Eindruck, dass sich in Deutschland – anders als in südeuropäischen Ländern – viele Männer gar nicht trauen einen Anzug zu tragen, der nichts weiter tut, als gut auszusehen.

In Deutschland ist ein Anzug ein Arbeitsintrument. Man trägt ihn, weil man muss. Weil es von einem erwartet wird. Das fängt an mit der Kommunion, geht weiter beim Abiball und dann kommen die Vorstellungsgespräche und natürlich trägt man Anzug. Ansonsten kramt man ihn vielleicht noch zur Beerdigung raus oder wenn jemand heiratet. Aber die Vorstellung, dass ich gerne Anzüge trage, einfach weil ich Lust darauf habe, ist für viele Menschen unvorstellbar. Und was noch viel trauriger ist: auf jedes Kompliment zu einem Anzug kommt irgendein Idiot, der einen dafür anpöbelt, dass man sich so anzieht »als wäre man was besseres«. Aber diese Menschen haben Recht. Ich bin etwas besseres als sie. Nicht, weil ich einen Anzug trage, sondern weil ich offensichtlich nicht von so viel Hass zerfressen bin, dass ich andere Menschen mit meinen negativen Kommentaren zu ihrem Outfit belästige.

„Mache dich von den Vorurteilen los, und du bist gerettet.“ – Marcus Aurelius

Kommen wir aber jetzt zum Einstecktuch, das den Unterschied macht, zwischen »Anzug tragen müssen« und »Anzug tragen dürfen«.

Ein Einstecktuch ist ein Tuch, das in der Brusttasche des Sakkos getragen wird. In der Regel wird es aus dem gleichen Stoff wie das Hemd gefertigt. Wer seine Hemden machen lässt, bekommt meistens ein Einstecktuch dazu. Wer kein passendes Einstecktuch zum Hemd hat, kann natürlich auch auf ein anderes zurückgreifen. Hier fährt man gut dabei das Tuch einfach in weiß zu nehmen oder ein Tuch zu wählen, dass sich deutlich abhebt. So kommt es nicht so rüber, als hätte man versucht den Stoff des Hemdes zu treffen und dabei jämmerlich versagt.

Eine andere Möglichkeit ist es, Tücher zu nehmen, die wirklich herausstechen. Sie sind bunt oder gemustert. Ich bin ein großer Fan von Justin Ross Lee und habe auch sein Buch »Don’t You Know Who I Think I Am« (Affiliatelink) gelesen. (Btw. ist ein kurzes Statement von mir zu diesem Buch im books4business Podcast von Florian Lapiz erschienen)

J.R. Lee ist ein selfmade Social Media Star, der mit »pretentious pockets« ein eigenes Modelabel für Einstecktücher ins Leben gerufen hat. Dort vertreibt er besonders auffällige bunte Einstecktücher, die er auf seinem Instagram mit derbem Humor bewirbt.

Mit bunten, gemusterten oder irgendwie anders auffälligen Einstecktüchern fällt man auf. Beziehungsweise das Tuch fällt absichtlich auf. Was eine bessere Idee ist, als ein Tuch in einem Stoff zu wählen, der sich an das vorherrschende Kleidungsthema annähern soll aber nicht zu 100% passt.

Es gibt noch etwas lustiges zu erzählen. Als ich süß und klein und 16 Jahre alt war, habe ich angefangen Anzüge zu tragen. Damals habe ich für 150 Euro einen Anzug auf eBay ersteigert, der vorne und hinten nicht gepasst hat. Mir fehlte allerdings das modische Know-How um das zu bemerken. Gelebte unbewusste Inkompetenz. Um meinen Auftritt noch ein wenig zu pimpen, habe ich Servietten als Einstecktücher benutzt. Scheiße ja, ihr habt richtig gelesen. Ich habe mir Papierservietten besorgt, die farblich zu der 10 Euro Krawatte gepasst haben und sie in die Sakkotasche gestopft. Das wirklich lustige ist aber, dass es damals tatsächlich Leute gab, denen dieser Fauxpas nicht aufgefallen ist. Egal wie schlecht du gekleidet bist: es gibt immer jemanden, der noch weniger Ahnung hat als du selbst. Die Frage ist nur, ob du dich dann in einer Gesellschaft befindest, die dich weiterbringt. Aber bevor du jetzt laut lachst, enthält diese kleine Story noch eine wichtige Botschaft: Taschentücher! Und zwar Stofftaschentücher werden häufig mit Einstecktüchern verwechselt beziehungsweise von unwissenden Amazonverkäufern (es gibt immer einen der dümmer ist, ich habs doch gesagt!) auch als solche verkauft! Hier müsst ihr aufpassen, denn der Stoff eines Stofftaschentuchs ist etwas dicker als der Einstecktuchstoff. Das mag zwar vielen Leuten wieder nicht auffallen, aber ihr beult damit die Tasche eures Sakkos aus. Was wiederum vielen Leuten nicht auffallen wird, aber wenn ihr euch doch mal in der Gesellschaft derer befindet, denen es auffällt, ist schon doof.

So gut hat noch nie jemand Nachts um 03:00 Uhr im McDonalds am Hauptbahnhof ausgesehen!

Ich hoffe, das hat euch ein bisschen weitergeholfen und ihr konntet hier und da mal lachen. Wer mich ab und zu mal im Anzug sehen will, sei auf Snapchat (SamFeuerstein) und Instagram verwiesen.

Bis dahin sehen wir uns… spätestens in der Hölle

Sam

Sam
 

Ich bin Sam, 27, Reisender und zur Zeit "obdachlos auf ganz hohem Niveau". Ich habe mal sehr viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat.

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