Jeden Freitag neue Buchtipps

Es gibt nicht viel Regelmässigkeit in meinem Leben. Eigentlich gar keine. Aber eins ist sicher: Jeden Freitag schreibe ich eine Mail an meine Kontakte, in denen ich ihnen for free mindestens einen guten Buchtipp gebe zusammen mit der Info, wieso dieses Buch oder die Bücher für mich so wertvoll sind. Eintragen lohnt sich.


Schreib mir bitte

Frettchen und Tools of Titans

Hey hey,

ich hoffe du hattest eine gute Woche. Von meiner Suite in über der Zeil musste ich leider inzwischen Abschied nehmen, doch weil es so schön war hier noch mal ein Bild: 

Für mich geht es jetzt in die komplett gegenteilige Richtung. Statt schönem Ausblick und Spabereich werde ich die nächsten zwei Wochen auf einem bürgerlichen deutschen Gasthof verbringen. Mitten im Wald. Mitten im nirgendwo und wenn ich nirgendwo sage, dann meine ich Mecklenburg-Vorpommern irgendwo, wo nicht mal ein McDonalds ist.

Denn bis Ende des Monats sind meine Freundin und ich auf einem Intensiv-Lehrgang mit abschließender Prüfung für den Falknerschein. Wie du vielleicht weißt arbeite ich nur noch sehr wenig und habe deswegen entsprechend viel Zeit, um mich mit Dingen zu befassen, die ich cool finde. Dazu gehört, dass ich echt viel meiner Zeit und Energie in den letzten 1,5 Jahren in die ehrenamtliche Arbeit bei der Auffangstation für verletzte Eulen und Greifvögel investiert habe. Das ist vor allem das Gesundpflegen von verletzten Tieren bzw. dem Versorgen von Tieren, die wir gar nicht mehr freilassen können, weil sie irreperable Schäden haben. Die meisten, die uns gebracht werden wurden auf der Autobahn überfahren oder sind in Windräder geflogen. Damit meine ich Windräder, die irgendwelche dummen Menschen, die null Ahnung von der Realität haben, da aufgestellt haben wo zB eigentlich Vogelschutzgebiete sind. Ist es nicht interessant, dass es sich durch alle Lebensbereiche durchzieht, dass Politiker relativ wenig praktische Intelligenz haben!? Ich bin echt ein Fan von erneuerbaren Energiequellen und natürlich finde auch ich Atomkraft scheiße und dass fossile Brennstoffe irgendwann aufgebraucht sein werden, weiß ich auch. Aber Windräder sind so – wie sie vielfach in Deutschland aufgestellt werden – stromerzeugende Tötungsmaschinen für einheimische Tiere insbesondere Vögel und Fledermäuse. Dadurch sterben in Deutschland ganze Arten aus. Windkraft an sich total geile Sache, aber es wäre doch irgendwie schön, wenn man ein bisschen mehr darüber nachdenken würde wo man die Dinger aufstellt. So genug Hass verbreitet.

Was wir ansonsten noch machen sind Auswilderungs und Nachzuchtsprogramme, Nistkästen um die Lebensbedingungen von heimischen Vögeln zu verbessern und Aufklärung in Schulen und Kindergärten. Wer ein bisschen stalkt, findet daher im Internet viele solche Bilder von mir:

Das ist übrigens kein einheimischer Vogel. Sondern die Handaufzucht eines Bartkauzes, der so cool und entspannt mit Menschen ist, dass wir ihn sogar an so schreckliche Orte wie Kindergärten mitnehmen können. Das kann man mit nem verletzten Wildvogel natürlich nicht machen, dafür braucht es Tiere die schon seit ihrer Geburt an Menschen gewöhnt sind. Wer gerne noch ein paar Bilder mehr sehen will, sei auf meinen Instagram Feed verwiesen: https://www.instagram.com/samfeuerstein/ einfach mal ein bisschen zurückgehen, da findet ihr ne Menge Bilder. Über Follower freue ich mich übrigens auch immer.

Ich bin auf jeden Fall jetzt zwei Wochen auf nem Lehrgang und danach kann ich euch hoffentlich mit Stolz berichten, dass ich mich offiziell Falkner nennen darf. Btw.

Eine lustige Sache muss ich dir jetzt noch erzählen, bevor ich auf den Buchtipp für heute eingehe.

Der Falknerschein ist theoretisch eine Erweiterung zum Jagdschein. In 15 Bundesländern braucht man daher auch erst den Jagdschein, bevor man den Falknerschein machen kann. Einzige Ausnahme bildet Mecklenburg-Vorpommern, Bingo deswegen mache ich ihn da. Jagen ist nicht so meins, mir gehts dabei mehr um die Sachkunde, um Tiere besser schützen zu können. Doch wie bei jeder Prüfung wird auch beim Falknerschein sehr viel unnützes Wissen abgefragt, was man nie wieder braucht. In diesem Fall natürlich auch sehr viel Jagdwissen. Man kann – was ich vorher auch nicht wusste – nicht nur mit einem Hund als Unterstützung zum Vogel jagen. Sondern auch mit einem Frettchen. (Funfact: Man nennt das Frettieren, what the fuck?) Du hast richtig gelesen, man kann mit einem Frettchen jagen gehen.

Wenn man jetzt zB ein Kanninchen jagt dann schickt man sein Frettchen in den Bau, damit es das Kanninchen aufscheucht. Wenn das Frettchen nicht mehr rauskommt, dann steckt es entweder fest oder ist in einen Kampf mit dem Kanninchen verwickelt. Hört man also leises Fauchen, dann wohl das zweite. Was machste jetzt? Die richtige Antwort ist: Du nimmst ein zweites Frettchen und schickst es hinterher. Damit es dem ersten Frettchen hilft.

Das ist ein bisschen wie bei Pokemon: “Los Frettchen, ich wähle dich!”

Ich weiß nicht mal wie man Frettchen transportiert. Ich meine wahrscheinlich hat man die ganze Zeit so einen Frettchenkäfig dabei, aber ich finde es lustiger mir vorzustellen sie würden in einem Gürtel hängen, so dass ich im Fall der Fälle einfach meine Basecap nach hinten drehen kann, ein Frettchen aus meinem Gürtel ziehe und rufe: “Los Frettchen, du bist dran!” (Ein bisschen wie die Catlady von den Simspons würde ich dann das Frettchen werfen und ich bin sicher an dieser Stelle ist die Prüfung zu Ende!) Omg ich hoffe wirklich dass es in der Realität so ist, das wäre das schönste Geschenk, das ich meinem 10 jährigen Selbst machen könnte.

Okay. Es tut mir Leid, dass die Mail jetzt schon wieder so lang geworden ist. Aber ich finde das einfach so lustig, dass ich es unbedingt erzählen musste.

Achso falls einer von meinen Lesern oder eine Leserin zufällig Jäger oder Falkner ist oder jemanden kennt: schreibt mir doch mal bitte zurück ob ihr schon mal mit nem fucking Frettchen gejagd habt. #GottaCatchemAll

Am Wochenende war ich ja auf ner Konferenz und dort habe ich ein paar spannende und interessante Gespräche geführt. Viel interessanter als den Inhalt, finde ich bei manchen Leuten die Glaubenssätze. Ich versuche immer möglichst schnell einzuschätzen was für ein Typ mein Gegenüber ist und was für Glaubenssätze er hat. Dann kann ich versuchen das Gespräch in eine Richtung zu lenken, dass wir beide das meiste daraus ziehen. Manche Leute wollen halt einfach nicht hören, wie geil die Pasta mit Trüffeln geschmeckt haben, die es bei uns im Hotel gab und andere halt schon. Bei manchen Leuten gerate ich aber doch schnell an meine Grenzen, weil ich merke, dass sie komplett anders sind als ich. Ist auch immer so ne moralische Frage, sollte man sich dann “verstellen”, um immer noch ein gutes Gespräch zu haben? Ist Information weglassen schon lügen? Entsteht bei dem anderen einfach ein vollkommen falsches Bild von mir, weil ich ihm bewusst nur eine ganz spezielle Seite von mir zeige? Idk. Moral ist btw. ein Thema dem ich in meinem aktuellen Buch ein ganzes Kapitel widmen werde.

Nun ein Gespräch ist mir doch total im Gedächtnis geblieben. Mit einer Person, die irgendwie so komplett anders war als ich. Und ich will ganz ehrlich sein: wenn Menschen so mega mit sich selbst im Reinen sind, werden sie mir unsympathisch. Kennt ihr diese Leute, die wie Buddha über den Dingen schweben und sich niemals über etwas aufregen? Für die es keine Fehler sondern nur “Erfahrungen” gibt und alles ist gut? Ja genau solche Leute, die wirken auf mich wie Zombies. So fernab von Emotionen. Ich mag es mich mit Menschen zu umgeben, die ambivalent sind. Die mal gute Laune haben und auch mal abgefuckt sind und es dann auch zeigen. In dieser Gegenwart fühle ich mich lebendig. Aber mich in Leute reinzuversetzen, die gefühlt die ganze Zeit in meditativer Pose 3 Zentimeter über dem Boden schweben, das fällt mir schwer. Auf jeden Fall ist mir eine Sache im Gedächtnis geblieben. Der Typ zog diesen “Ich bin vollkommen in mir selbst”-Frame komplett durch und ich meinte irgendwann: Menschen sind aber keine Inseln. Wie willst du dich weiterentwickeln, wenn du nie nach links oder rechts guckst? Und er sagte: “Buddha hat gesagt: Sei dir selbst eine Insel” und hey ich hab nie drüber nachgedacht aber spätestens jetzt weiß ich: Buddha und ich werden keine Freunde. Buddha wird auch kein Freund von Arnold Schwarzenegger werden, denn jetzt kommen wir auf den Buchtipp für heute: Tim Ferris Tools of Titans! (Link zur deutschen Version:  http://amzn.to/2g6xE5A)

Ihr kennt das, wenn man ein neues Buch anfängt und dann kommt das Vorwort und man denkt sich: ey ich will lieber direkt zur Sache kommen, ich überspringe das.

Oft ist das Vorwort auch einfach nur son bisschen blabla Geplänkel. Aber es gibt ein paar Bücher, die haben wirklich ein Vorwort, das unter die Haut geht.

Mein absoluter Alltime Favorite ist das Vorwort von Walter Mischel zu der deutschen Ausgabe von Marshmallow Effekt. Obwohl (sorry für die kurze Abschweifung) sein Vorwort gar nicht so viel mit dem eigentlichen Inhalt zu tun hatte. Er sagte sinngemäß, dass es für ihn etwas besonderes ist deutsch zu sprechen, denn es ist seine Muttersprache. Aber er schreibt und spricht deutsch wie ein 8 jähriger. Denn 8 war er, als sie vor den Nazis fliehen mussten.

Und ich will ganz ehrlich zu dir sein, als ich das Buch aufgeschlagen habe und diesen Satz gelesen habe, musste ich ihn immer wieder und wieder lesen weil er mich emotional wirklich berührt hat.

Und ein Vorwort das noch so richtig richtig richtig unter die Haut ging (und diesmal sogar weil es mit dem eigentlichen Inhalt zusammenpasste) war das von Arnold Schwarzenegger in Tools of Titans.

Er sagt dort: I’m not a selfmade man!

Jeder stellt ihn immer dar, als sei er “selbstgemacht”. Natürlich stimmt es. Er kam nicht aus reichen Verhältnissen. Er ist nur mit einer Sporttasche nach Amerika ausgewandert. Er hat sich den Arsch aufgerissen, um da zu sein, wo er heute ist. Aber: Er sieht sich nicht als Selfmademan. Denn er hatte Hilfe. Er hatte die Hilfe von Menschen, zu denen er aufgesehen hat. Coaches, Mentoren, erfolgreiche Menschen. Manche haben ihm direkt einen Rat gegeben und bei anderen hat er vielleicht nur die Bücher gelesen. Aber er hat von ihnen profitiert. Newton nannte das: Auf den Schultern von Riesen stehen! Denn wir sind keine Inseln!

Buddha kann von mir aus ne Insel sein, der hat die Erleuchtung ja schon. Aber ich bin keine Insel. Du bist keine Insel. Wir alle können von dem Input und den Erfahrungen anderer profitieren. Also lasst uns nicht zu stolz sein, diese Hilfe anzunehmen! Mein Buchtipp für heute: Tools of Titans von Tim Ferris:  http://amzn.to/2g61YgJ

Nächste Woche melde ich mich aus der mecklenburgischen Provinz

Dein

Sam “Frettchen Trainer” Feuerstein

Sam
 

Ich bin Sam. Bei mir dreht sich alles darum, wie ich Schwachstellen und Lücken finden kann, um mein Leben extravaganter zu gestalten. Ich lebe die meiste Zeit in Hotels oder auf einer Mittelmeerinsel. Ich mag Anzüge, Bücher und gutes Essen. Außerdem habe ich mal viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat!