Jeden Freitag neue Buchtipps

Es gibt nicht viel Regelmässigkeit in meinem Leben. Eigentlich gar keine. Aber eins ist sicher: Jeden Freitag schreibe ich eine Mail an meine Kontakte, in denen ich ihnen for free mindestens einen guten Buchtipp gebe zusammen mit der Info, wieso dieses Buch oder die Bücher für mich so wertvoll sind. Eintragen lohnt sich.


Schreib mir bitte

Jahresrückblick 2015

Ich habe es lange aufgeschoben, einen Jahresrückblick zu schreiben. Ich bin gerade aus Florenz wiedergekommen. Auch darüber wollte ich schreiben. Doch jetzt sitze ich in meiner neuen Wohnung. 100 Quadratmeter, Maisonette, in der Hamburger Speicherstadt, direkt am Nikolaifleet. In einem historischen Fachwerk-Kontorhaus von 1600. In der ältesten, erhaltenen Straße Hamburgs. Nur wenige Meter von hier entfernt ist der große Hamburger Brand 1842 ausgebrochen. Während ich diese Zeilen schreibe, bekomme ich eine Gänsehaut. Es ist dieses Gefühl, das man auch hat, wenn man vor einem riesigen Wasserfall steht. Wenn man eine Kathedrale respektive ein Fußballstadion betritt. Die Erkenntnis, dass man selbst nur ganz klein ist. Verantwortlich für dieses Gefühl ist die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn. Die Kirche hat schon vor über tausend Jahren die dramaturgischen Tricks erkannt, die man braucht, um dieses Gefühl quasi auf Knopfdruck zu erzeugen.

Genau dieser Umstand ist es, der das Jahr 2015 abschließt.

Januar – Hamburg, Mallorca, Wien

Silvester habe ich in Hamburg verbracht. In dieser Stadt hatte ich schon 2012 gewohnt, doch am 01.01.2015 ahnte ich noch nicht, wie häufig ich in diesem Jahr nach Hamburg kommen sollte. Hamburg ist – wenn ich in Deutschland war – meine Base geworden. Es ist lustig, dass sich ausgerechnet im Januar schon die drei Standorte abzeichneten, die mich das ganze Jahr 2015 über begleiten würden. Hamburg, Wien und Palma de Mallorca.

Februar – der Karneval in Venedig

Hals über Kopf bin ich im Februar über Berlin nach Venedig geflogen. Gebucht habe ich 2 Stunden bevor ich los musste. Es war mein erster Besuch in Venedig. Eine merkwürdige Erwartungshaltung schwebte über der Stadt. Ich habe es nicht so vielen Leuten erzählt, aber im Jahr 2013 ging es mir nicht besonders gut. Rückblickend war 2013 ein wahnsinnig geiles Jahr, doch das merkt man eben immer erst, wenn es vorbei ist. »Mögest du in interessanten Zeiten leben«, ist ein chinesischer Fluch, der auf eben dieses Erleben abzielt, denn »interessant« werden schwere Zeiten immer im Rückblick.

Damals hatte ich mich entschieden alles zu tun, um mein Leben wieder in rechte Bahnen zu lenken. Ein Freund von mir ist Hypnosetherapeut. Der macht coole Sachen. Zum Beispiel lässt er Leute glauben, dass sie nur vier Finger haben oder bringt sie dazu mit dem Rauchen aufzuhören. Beides ist in etwa gleichermaßen nützlich. Auch an mir hat er sich die ausgelebt und mein ganzes Innenleben auf den Kopf gestellt unter anderem mit einer Rückführung in meine vermeintlichen früheren Leben, von denen ich eines in Venedig verbracht haben sollte.

Ich weiß nicht, ob ich an so etwas glauben soll. Ich bin aber überzeugt, dass die Bilder, die das Unterbewusstsein einem in diesem Moment bietet tatsächlich irgendeine Bedeutung haben können. Auch wenn sie vielleicht nicht mein früheres Leben zeigen, einen Grund, wieso man sie sieht, gibt es sicher trotzdem.

Vendig hat mich überrascht. Ich möchte nicht sagen, dass die Stadt meine Erwartungen getroffen oder enttäuscht hätte. Sie war einfach anders. Anders, waren aber auch die Menschen, die ich getroffen habe. Stefan, ein etwa 70 jähriger Saxophonspieler aus Bulgarien, der in der DDR studiert hatte und jetzt in Valencia lebt. Stefan Kombinierte modischen Schick verschiedener Jahrzehnte. Er trug eine viel zu kurze Anzughose, zu Tennissocken mit Turnschuhen. Eine Windjacke und einen Mantel.

Obwohl er offensichtlich keine Zähne mehr hatte, führte er immer eine Zahnbürste in seiner Manteltasche mit sich. Nach seiner Abreise drückte er mir seine Telefonnummer und Adresse in die Hand und bat mich ihn in Valencia beim Fallasfestival zu besuchen, um in seinem Haus zu wohnen. Ich war tatsächlich in Valencia zu Fallas, doch ich habe Stefan nie angerufen oder besucht.

Dann war da noch ein chinesisches Mädchen, deren Namen ich vergessen habe. Auch sie habe ich im Hotel kennengelernt. Eines Abends gingen wir durch die Bars von Venedig und trafen auf ein älteres Ehepaar. Die Frau erzählte später sie sei 81, ihr Mann war sicher noch mal gut 5 Jahre älter. Beide machten aber eher den Eindruck, als seien sie 60. Der ältere Mann hat so gut englisch gesprochen, dass ich wirklich nicht sagen konnte wo er herkam. Doch bei der Frau hörte man ab und zu einen bekannten Akzent raus. Ich tippte auf Luxemburg, Schweiz vielleicht sogar Österreich?

»Where are you from?«

– »From Belgium. Antwerp.«

»Oh. Ik kan een beetje nederlands praten!«

Damit war das Eis gebrochen. Ich habe den ganzen Abend mit ihr niederländisch gesprochen, was in ihr so große Glücksgefühle auslöste, dass sie begann mir ein Bier nach dem anderen auszugeben. Währenddessen erzählte sie mir auf niederländisch alles, was es über ihr Leben zu wissen gab. Über ihre Tochter, über ihr Haus, wie sie ihr Haus nach Feng Shui Richtlinien eingerichtet hatte. Ihren Erzählungen zu Folge, schien sie in einer Art China Restaurant zu wohnen, mit einem roten Teppich und zwei Löwenstatuen links und rechts zur Treppe.

Dann war da noch Magnolia. 42 aus Mexiko. Sie war unheimlich sympathisch und hat mich an dem Abend sogar noch zum Essen eingeladen. Venedig ist ein Sündenpfuhl der überteuerten Preise, also hat die gute Frau tatsächlich für zwei Mal Nudeln und ein paar Bier 80 Euro auf den Tisch gelegt. Dafür hat sie mit zumindest das Versprechen abgenommen, dass ich sie diesen Winter in Mexiko besuche. Es tut mir sogar leid, dass ich dazu bisher nicht in der Lage war.

März – Mallorca – Valencia – Mallorca

Den März verbrachte ich auf Mallorca. Mit einer kleinen Unterbrechung von etwa einer Woche, die ich in Valencia zum Fallas Festival war.

April – Italien das Mutterland der Korruption – Ein Haftbefehl bringt mich zu Youtube

Ich liebe Italien. Dieses Land hat ein ganz eigenes Lebensgefühl und als vermeintlicher Verbrecher fühlt man sich im Mutterland der Korruption wie ein Fisch im Wasser. Auch wenn Mallorca inzwischen Neapel den Rang längst abgelaufen hat, wenn es um die Bestechlichkeit der lokalen Behörden geht.

Anfang April bin ich von Düsseldorf nach Mailand geflogen und anschließend mit dem Zug nach Rom gefahren um dort über Ostern zu bleiben. Darauf folgten Florenz, Neapel, Sorrent, wieder Rom und abschließend Pisa und Mailand.

In Neapel habe ich Tyson kennengelernt. Er kam aus Kanada und hatte eine Gopro, mit der er sich den ganzen Tag selbst gefilmt hat. Tyson hatte den Satz »das ist die beste Anschaffung meines Lebens«, noch nicht ausgesprochen, als ich sie bei Amazon bereits in den Warenkorb gelegt hatte, denn es brauchte kein weiteres Testimonial um mich von der Wichtigkeit einer solchen Kamera zu überzeugen. Das ist deswegen so wichtig, da ich einige Tage später in Sorrent den ersten Stein meiner Youtube Karriere gelegt habe. Mit einem selbstgedrehten Handyvideo, mitten in der Nacht über den Dächern der Stadt. »Mitten in der Nacht über den Dächern der Stadt« ist quasi Sam Feuersteins Lifestyle in a nutshell.

Wenige Tage zuvor hatte ich über meinen Anwalt erfahren, dass in Deutschland ein Haftbefehl gegen mich vorliegt, wegen einer – so viel sollte an dieser Stelle erwähnt werden – lächerlichen Lappalie, in der sogar meine Unschuld feststand. Ich habe keinen Grund euch anzulügen. Ich würde euch auch lieber erzählen, dass ich den Louvre ausgeraubt habe, die Mona Lisa unter meinem Mantel raus geschmuggelt oder mich mit einem Fallschirm vom Dach gestürzt habe. Doch die traurige, langweilige Wahrheit ist, dass mir irgendjemand Steuerhinterziehung angedichtet hat. Eine Anschuldigung, die sich letztendlich in Luft aufgelöst hat.

Dennoch sah ich mich mit der Vorstellung konfrontiert, dass ich nicht wieder zurück nach Deutschland kommen würde. Auch wenn ich wusste, dass man mir im Endeffekt nichts hätte anhaben können, so hatte ich einfach keinen Bock in U-Haft darauf zu warten, dass die deutsche Justiz meine Unschuld feststellt.

Es ist – glaube ich – für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, was in so einem Moment in einem vorgeht. Ich saß gerade in Florenz – auf meiner Dachterrasse – und führte per Definition das Leben eines Gesetzlosen. In meinem Kopf wurde ein Gedanke immer klarer: vielleicht kannst du nie wieder nach Deutschland zurück.

Okay, ich gebe zu. Wäre ich der Justiz wichtig genug gewesen, hätte man mich auch in Italien aufspüren können. Schließlich hatte ich – bis zu diesem Zeitpunkt – noch überall mit meinem echten Ausweis eingecheckt und ich hatte auch meien Zugreservierungen auf meinen echten Namen gemacht. Immer wenn die Carabiniere den Zug durchstreiften, war ich zusammengezuckt. Aber in so einer Situation denkt man nicht rational. Ich wusste nicht ob mein Kopf wirklich nur so wichtig war, dass man mich am Flughafen einkassiert hätte, oder ob man das irgendwann ausweiten würde. Tatsache ist: ich habe mich innerlich darauf eingestellt meinen Rückflug verfallen zu lassen und in Italien zu bleiben, bis sich die Sache geklärt hatte.

Zu meinem eigenen Überraschen, habe ich das sogar echt gefasst aufgenommen. Ich hatte mein MacBook dabei mit allen wichtigen Daten und ich hatte noch genug Bargeld, nachdem in Deutschland meine Konten eingefroren waren. Außerdem hatte ich Freunde, die mir im Zweifelsfall Geld hätten zukommen lassen können und die Möglichkeit in Italien ein neues Konto zu eröffnen um schnell wieder flüssig zu werden.

In Momenten wie diesen – und auch jetzt während ich diese Zeilen schreibe – frage ich mich was Sicherheit überhaupt ist. Ein fester Job? Eine Altersvorsorge? Eine sichere Rente? Nein, Momente wie der innere Monolog auf einer toskanischen Dachterrasse zeigen mir, dass ich in meinem Leben etwas richtig gemacht habe.

Sicherheit ist, wenn du dich auf dich selbst verlassen kannst.

Sicherheit bietet dir deine Erfahrung, dein Wissen. Sicherheit kommt aus dir selbst heraus. Es ist der feste und unerschütterliche Glaube, dass die eigene Kompetenz und Erfahrung ausreichen um immer wieder auf die Beine zu kommen. Und das ist meiner Meinung nach so viel mehr wert, als ein fester Job, denn auch der kann gekündigt werden. Oder dir fällt ein Dachziegel auf den Kopf. Wir wissen es nicht. Aber wenn ich mich auf mich selbst verlassen kann, dann ist es okay, wenn die Welt mich verlässt.

In Rom habe ich die beiden Chinesinnen Yo und Grace getroffen. Schnell stellte sich heraus, dass Yo eine falsche Schlange war. Eines Abends, nachdem ich den Tag mit Grace im Vatikan verbracht hatte, stand Yo plötzlich in meinem Hotelzimmer. Sie fragte ob wir zusammen etwas essen gehen wollen und behauptete, dass Grace ihr auf chinesisch mitgeteilt hätte, sie würde nicht mit wollen und ich müsste sie daher auch gar nicht erst fragen. Diese Behauptung konnte ich aufgrund mangelnder Chinesisch Kenntnisse natürlich weder ver- noch falsifizieren. Doch das musste ich auch gar nicht, denn kurz darauf stand auch Grace in meinem Zimmer. Die beiden schauten sich an und es lag die angespannte Atmosphäre eines sich anbahnenden Pokemon Fights in der Luft. Dann verließen sie das Zimmer um lautstark vor der Tür auf chinesisch zu streiten. Was irgendwie sinnlos war, denn ich hätte sie ja auch nicht verstanden, wenn sie vor meinen Augen gestritten hatten. Die einzigen Worte, die ich herauszuhören glaubte waren »Vatikano« und »Museooo«. Wie immer im Leben hatte das Miststück den Bitchfight für sich entschieden und hoch erhobenen Hauptes teilte mir Yo schließlich mit, dass wir am nächsten Tag gemeinsam Essen gehen würden. Ich war nur eine verdammte Trophäe, es fühlte sich gut an.

Mai und Juni – Wien und Hamburg – Eine Wohnung auf dem Kiez und ein Whirlpool im Wohnzimmer

Nachdem ich Italien über kurze Zwischenstopps in Pisa und Mailand verlassen hatte. Ging es für zwei Wochen nach Wien und anschließend nach Hamburg. Spontan, wie ich nun mal bin, habe ich eine Wohnung angemietet. Lediglich für sechs Wochen. Direkt auf St. Pauli 5 Minuten bis zur Reeperbahn.

Ich habe einen Whirlpool gekauft, weil ich schon immer einen Whirlpool im Wohnzimmer haben wollte. Doch direkt nach der Lieferung hörte ich schon die ungläubigen Stimmen aus meinem näheren Umfeld: »Du wohnst im Altbaut… trägt der Boden eine Tonne? Alter du wohnst über einem verdammten Elektroladen!« Okay. Ich musste Vorkehrungen treffen und habe eine alte Freundin angerufen, die Architektur studiert. Okay, sie studiert inzwischen im 16. Semester und hat ihren Bachelor noch nicht, aber der Wille zählt. Ihre Antwort: »Ich würde mir weniger Sorgen um die Statik machen, als um die Wände«. Vielleicht hat sie recht. Von der Statik ist es – betrachtet man die Last pro Quadratmeter – eigentlich nur so, als würden es zwei extrem übergewichtige Menschen in meinem Wohnzimmer miteinander treiben. Ein Szenario, das in der Realität irgendwie viel unrealistischer anmutet als ein Whirlpool. Zumindest soweit ich das gerade überblicken kann. Doch Schimmel an den Wänden, das war ein Argument. Ich brauchte dringend eine Dachterrasse.

Juli & August: Irgendwo zwischen obdachlos und digitalem Nomadentum

Nachdem meine Wohnung Ende Juni gekündigt wurde, beschloss ich die zwei restlichen Sommermonate als Obdachloser zu verbringen. Oder wie man heute sagt: ich wurde digitaler Nomade.

Ich fuhr noch mal nach Wien, kreuz und quer durch Deutschland. Übernachtete mal hier und dort und habe alles in allem irgendwie nichts geschafft. Langsam machte sich tatsächlich die Erkenntnis breit, dass dieses ständige Rumreisen der natürliche Feind der Produktivität ist. Zumindest so, wie ich es gerade praktizierte.

September – Mallorca

Für den September habe ich ein Haus auf Mallorca gemietet. Kombiniert habe ich diesen Aufenthalt mit einem Zwischenstopp in Barcelona auf dem Hinweg und einem Zwischenstopp in Barcelona auf dem Rückweg. Ursprünglich wollte ich noch ganz Südfrankreich mitnehmen, doch irgendwie hatte ich dann keinen Bock mehr. Was legitim ist, finde ich.

Ich habe immer gedacht, dass Mallorca der perfekte Lebensraum für »jemanden wie mich« ist. Die Insel, insbesondere die Platja de Palma, vereint die Vorzüge eines Standortes mit hoher Fluktuation mit einem gewissen Dorfcharakter. Es gibt viel Gastronomie, entgegenkommende Öffnungszeiten der Supermärkte und eine Menge Urlauber, die zum Feiern die Clubs füllen. Gleichzeit gibt es aber einen festen Kern an Menschen, die hier die ganze Zeit leben und die man in der Nebensaison wunderbar befrienden kann um von ihnen zu profitieren, wenn es darauf ankommt. Wer mit dem Barkeeper best friends ist, der wird als erster bedient. Wer den Türsteher kennt, braucht nicht anzustehen usw. Das alles macht Mallorca zu einem Paradies der Täuschung, diese Insel ist quasi die Homezone des gemeinen Blenders. Doch auch mich hatte dieses Paradies getäuscht.

Denn in Wirklichkeit ist Mallorca scheiße. Man muss leider erst da leben, um die Schattenseiten der Insel kennenzulernen. Die Armut, die Kriminalität, die Korruption. Aber vor allem ist Mallorca eine Blase. Ein Auffangbecken für viele Menschen, die es in der richtigen Welt nicht geschafft haben. Sie werden hier angespült samt ihrer Ersparnisse und gehen nach einer Saison pleite. Und auch diejenigen, die sich durchsetzen überzeugen nicht unbedingt damit, dass ihre Sicht auf die Welt sich durch eine besondere Aktualität auszeichne. Ich habe das Gefühl, dass sie hierhin kommen und alles hinter sich lassen. Die Zeit bleibt stehen. Sie entwickeln sich nicht weiter. Wer in den 1980er Jahren nach Mallorca kam, hat auch noch Ansichten aus dieser Zeit. Viele Gastronomen, die schon seit 10 Jahren auf der Insel sind, sprechen kein Wort Spanisch. Stattdessen haben die einheimischen Lieferanten Deutsch gelernt.

Jeden Morgen sitze ich im selben Café am Strand und Frühstücke. Als sich eines Tages unvorsichtige Spanier in dieses Café verirrten, kam die Bedienung sofort angelaufen und fragte »War schon jemand hier?«

Die naiven Spanier zuckten mit den Schultern, sie hatten die Frage nicht verstanden.

Die Kellnerin verbesserte sich entgegenkommend: »War schon mal jemand aquí?«

Das lernresistente Pack hatte noch immer nichts verstanden. »Ach leck mich doch am Arsch«, sagte die Bedienung, während sie ihnen den Rücken zukehrte und sich auf einen anderen Tisch stürzte.

An einem anderen Tag belauschte ich, wie sich einige auf Mallorca lebende Deutsche darüber unterhielten, wie es in Deutschland zuginge. Natürlich ging es um Flüchtlinge und – weil das ja eh alles das selbe ist – um Ausländer allgemein. Wie zu erwarten war, wurde sofort angeprangert, dass die sich nicht in die deutsche Kultur integrieren würden, kein Deutsch lernen würden usw. Die besondere Komik dieser Situation wird erst bewusst, wenn ich meinen inneren Monlog dazu offenlege:

»Wenn sich irgendein Mensch in irgendeinem Land auf dieser Welt nicht darüber aufregen sollte, dass sich andere Menschen nicht integrieren: dann seid ihr das!«

Oktober – November – Dezember

Von Mallorca aus bin ich im Oktober nach Barcelona aufgebrochen. Bis zum Jahresende wurde es dann noch einmal ruhig. Ich kam in Deutschland in Hamburg unter, machte einen Abstecher nach Berlin und Prag und war einige Zeit in Wien.

Ausblick auf 2016: Entschleunigung

Ende 2015 habe ich mich zu einem radikalen Schritt entschieden. Eine Wohnung in Hamburg. Direkt am Nikolaifleet. Mit Blick über die Speicherstadt und Dachterrasse, für den Whirlpool. Passend dazu noch einen iMac, um nicht mehr nur mit meinem MacBook Air schreiben zu müssen, eine Bahncard 100 für die erste Klasse und über 200 Bücher von meiner Amazon Wunschliste. Diese Anschaffungen sind eine Metapher für eine Form von… ich will nicht sagen Sesshaftigkeit. Eher für Entschleunigung. Ein angenehmer Wohnsitz in Deutschland, viele Bücher und 2016 nur noch Kurztripps, statt direkt wieder für ein paar Monate wegzubleiben.

Die Zeit möchte ich nutzen, um viel zu lesen. Viel unterwegs zu sein, ohne MacBook sondern mit einem Buch und einer Kamera. Ich möchte 2016 viel stärker den Moment genießen.

Sam
 

Ich bin Sam. Bei mir dreht sich alles darum, wie ich Schwachstellen und Lücken finden kann, um mein Leben extravaganter zu gestalten. Ich lebe die meiste Zeit in Hotels oder auf einer Mittelmeerinsel. Ich mag Anzüge, Bücher und gutes Essen. Außerdem habe ich mal viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat!

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