Jeden Freitag neue Buchtipps

Es gibt nicht viel Regelmässigkeit in meinem Leben. Eigentlich gar keine. Aber eins ist sicher: Jeden Freitag schreibe ich eine Mail an meine Kontakte, in denen ich ihnen for free mindestens einen guten Buchtipp gebe zusammen mit der Info, wieso dieses Buch oder die Bücher für mich so wertvoll sind. Eintragen lohnt sich.


Schreib mir bitte

Noch nie hat sich jemand einen One Night Stand so hart erarbeitet

Ende 2012 saß ich in Deutschland und wusste nicht, was ich an Silvester anstellen sollte. Ich war erst vor kurzer Zeit wieder von Österreich nach Deutschland gezogen bzw. war eigentlich nur auf der Durchreise, um wieder nach Österreich bzw. vorher nach Spanien zu ziehen.. Kurze Zeit hatte ich in einer WG in Hamburg gelebt, dann verschlug es mich für einige Wochen nach Berlin und dann nach Nordrhein Westfalen. Im Nachhinein weiß ich selbst nicht, warum ich eigentlich da rumgehockt bin, schließlich bin im Januar wieder nach Mallorca und von dort aus nach Wien. Ich hätte mir viel Arbeit und Stress erspart, wenn ich direkt von Österreich nach Mallorca und von dort nach Österreich gezogen wäre. Aber so läuft das Leben nun mal nicht.

In meinem Winter in Deutschland bin ich auf jeden Fall in eine tiefe Depression der Langeweile gefallen. Mein Leben fühlt sich normalerweise an, wie mit 250 Kilometern pro Stunde über die Autobahn zu rasen. Einerseits denke ich mir: »Alter, du bist echt verdammt schnell unterwegs«, andererseits habe ich mich an die Geschwindigkeit gewöhnt und ein sehr unvernünftiger Teil in mir schreit immer: »Schneller, schneller, schneller«

Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass man ständig verrückte Sachen erlebt, durch die Welt reist und abgespacte Menschen kennenlernt, dann fällt man sehr hart auf den Boden der Tatsachen, wenn man es plötzlich nicht mehr tut. Auf einmal saß ich in Deutschland abwechselnd in Hotels, bei Freunden und meiner Familie rum und langweilte mich. Ein bisschen gearbeitet habe ich zwischendurch, aber im großen und ganzen war das Leben vor allem trostlos und erbärmlich. Ich kann einfach nicht damit umgehen, wenn über längeren Zeitpunkt nichts aufregendes passiert.

So fing ich an, mich auf die absurdesten Arten zu beschäftigen. Ich habe Niederländisch gelernt, mit dem Joggen angefangen und aus reiner Langeweile die wichtigsten Daten der Weltgeschichte auswendig gelernt (man weiß nie, wann man mal eine Geschichtsprofessorin flachlegen will), die Eckdaten der Planeten unserer Sonnensystems (man weiß nie, wann man mal eine Astronomieprofessorin flachen legen will…) und ich habe sogar das Ave Maria in zehn verschiedenen Sprachen auswendig gelernt. Ihr werdet lachen, aber ich habe tatsächlich Anwendung für dieses Ave Maria gefunden. Um einer Stripperin die Beichte abzunehmen und sie danach flachzulegen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dann in meinem Kreuzzug gegen Langeweile habe ich auch Onlinedating für mich entdeckt und wie soll ich sagen? Jesus, das ist wahrhaftig ein Auffangbecken für alle, die in der richtigen Welt durchs System gefallen sind. Doch ein sehr effizientes Auffangbecken, wenn man wirklich nur seinen Schwanz wegstecken will. Beim Onlinedating habe ich ein Tanzmariechen namens Nadine kennengelernt.

Ich weiß gar nicht mehr wie alles anfing, aber auf irgendeiner dieser Onlinedatingseiten habe ich Nadine kennengelernt. 2012 hat man Onlinedating noch sehr klassisch betrieben, ohne Apps. Im Nachhinein kann ich wohl froh sein, dass das vor der Tinder-Revolution war, denn sonst würde das ewige Schreiben dieser Flachlegegeschichten nie aufhören. Auf jeden Fall haben sich Nadine und ich relativ schnell auf ein Date getroffen.

Für alle Unwissenden da draußen, hier mein erster Geheimtipp: Versuche online Dates so schnell wie möglich in richtige Menschen zu verwandeln. Schreiben ist super. Ich mach das den ganzen Tag, ich verdiene sogar Geld damit. Aber Schreiben allein legt dich nicht flach, wenn du nur der Typ bist, mit dem sie bei Whatsapp schreibt. Du musst so schnell wie möglich zu einer richtigen Person werden.

Also beherzigte ich diesen Ratschlag in diesem Fall und traf mich mit Nadine, um sie ins Bett zu kriegen.

Sie war 18 Jahre alt, wurde kurz darauf 19 und machte gerade ihr Abitur.

Funfact: Wie alle strohdoofen Blondinen hat sie ein besseres Abitur abgelegt als ich, aber das ist auch nicht schwer. Und obwohl ich noch nie eine Whatsapp Nachricht von ihr erhalten hatte, in der weder Rechtschreib- noch Grammatikfehler zu finden waren, hatte sie sogar eine bessere Note in Deutsch. Aber das hier ist eine Geschichte übers Flachlegen und keine darüber, wie strohdoofe Blondinen durch unser Schulsystem kommen.

Beim Date spielte ich meine üblichen Karten aus, machte aber am Ende nichts festes daraus.

Rette mich vor der Horst Schlämmer Quiz DVD

Dann aber kam Silvester. Da ich das Planungsvermögen einer Eintagsfliege habe, hatte ich bis zur Mittagszeit nichts vor. Zumindest so lange nicht, bis meine Tante Marion mich anrief, um mich zu fragen, ob ich nicht mit ihr, ihrem Sohn und seinen drei Kindern zusammen zu Silvester die »Horst Schlämmer Quiz DVD« schauen und fleißig mitraten wolle. Ab diesem Moment hatte ich etwas vor: »Alles, außer Horst Schlämmer«

Ich ging meine Whatsappliste durch und textete ein paar Perlen. Irgendwie bin ich dann auch bei Nadine hängen geblieben und tatsächlich gelang es mir mit meiner charmanten Art, dass Nadine mich auf ihre »Party« einlud. In einem kleinen Kaff im Münsterland. Ich investierte noch schnell bei Penny in eine Flasche Rotkäppchen, die ich gönnerhaft als Geschenk für den Gastgeber mitbringen konnte. Der Gastgeber war, wie sich später herausstellte ein Typ aus ihrem Dorf, mit dem sie glaube ich verwandt war, aber nicht genau wusste wie. Und die Flasche Rotkäppchen war tatsächlich das hochwertigste Getränk, das an diesem Abend auf der Party gesoffen wurde. Ansonsten hatten diese Hinterwälder nur ihren Selbstgebrannten.

Angekommen am Ende der Welt

Nadine packte mich an der Hand und zog mich ins Wohnzimmer, wo ich einen bunt gemischten Haufen illustrer Gestalten vorfand, von denen ein Großteil sicherlich irgendwie miteinander verwandt war. Wahrscheinlich wussten sie nur selbst nicht alle wie. Auf jeden Fall hatte Nadine noch ein paar scharfe Cousinen am Start, die ebenfalls bei diesem Tanzmariechending mitmachten. Was sehr lustig ist, da Karneval im Münsterland eigentlich gar nicht zelebriert wird. Offensichtlich war dieses Dorf seiner Zeit weit voraus. Sie tischten massenhaft selbstgebrannten Schnaps auf und im Laufe des Abends gesellte sich der feste Freund (oder Bruder?) einer der scharfen Cousinen zu mir, um ein Gespräch anzufangen. Er hatte eine Ausbildung zum Mechatroniker gemacht, worauf er unheimlich stolz war, so stolz, dass er mir 2 Stunden am Stück erklärte, wie ein Motor funktioniert.

Bevor einer meiner Leser jetzt auf die Idee kommt mich zu fragen. Nein, ich kann euch auch nach diesem Gespräch nicht sagen, wie ein Motor funktioniert. Aber zumindest an einen kleinen Gesprächsfetzen erinnere ich mich trotz des fortgeschrittenen Alkoholkonsums noch sehr gut.

Wie ein Motor funktioniert…

Er: »Weißt du, was der Unterschied zwischen einer Verbrennung und einer Explosion ist?«

Geile Frage, hatte ich doch Physik und Chemie bereits nach der 10. Klasse abgewählt. Aber ich gab mein bestes und vermutete, dass es damit zu tun hat, dass die Energie bei einer Verbrennung gleichmäßig über ein längeres Zeitintervall abgegeben wird, als bei einer Explosion.

Er: »Sag mal bist du dumm, Alter? Bist du Hauptschule oder was? Eine Verbrennung macht chhhhhh und eine Explosion macht BOOM«

Okay, falls irgendjemand von euch mal bei wer wird Millionär ist und diese Frage kommt: jetzt wisst ihr es. Die Explosion macht nicht A. BÄM B. BIM C. BAM, sondern D. BOOM.

Scheiße, ich glaube wirklich nicht, dass sich jemals ein Mensch in seinem Leben einen One Night Stand so hart erarbeitet hat, wie ich an diesem Silvester.

Zumindest dachte ich das, zu diesem Zeitpunkt. Ich konnte ja nicht wissen, dass es noch schlimmer werden würde. Irgendwann, es muss wohl schon so zwei oder drei gewesen sein, spielten sie auf einmal »Das rote Pferd« und die Tanzmariechentruppe hatte tatsächlich einen eigenen Dance dazu. Ich dachte wirklich schlimmer kann es nicht mehr werden, aber danach kam »Komm hol das Lasso raus« und ihr werdet es jetzt vielleicht nicht glauben. Aber dazu hatten die auch einen Dance.

Irgendwann gegen drei Uhr, hatte ich keine Lust mehr zu warten. Ich hatte jetzt zwei Stunden Nachhilfe in Mechatronik bekommen, eine Tanzeinlage des Tanzmariechen-Westernschlampen-Korps mit Zusatzdance über mich ergehen lassen und zum Anstoßen um Mitternacht war sogar Nadines Oma noch dazu gekommen, um mich zu umarmen, weil sie offensichtlich glaubte, wir würden nächste Woche heiraten…

An dieser Stelle endet die Story, weil manche von euch das vielleicht auf der Arbeit lesen. Aber ich kann euch versichern, es wurde noch viel schlimmer…

Vollkommen besoffener Sam – Archivbild!

Da ich leider keine Bilder mehr von dem Abend habe, habe ich euch Bilder von meinem Flug von GranCanaria hier eingefügt. Auch da war ich vollkommen besoffen.

Sam
 

Ich bin Sam, 27, Reisender und zur Zeit „obdachlos auf ganz hohem Niveau“. Ich habe mal sehr viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat.

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