Jeden Freitag neue Buchtipps

Es gibt nicht viel Regelmässigkeit in meinem Leben. Eigentlich gar keine. Aber eins ist sicher: Jeden Freitag schreibe ich eine Mail an meine Kontakte, in denen ich ihnen for free mindestens einen guten Buchtipp gebe zusammen mit der Info, wieso dieses Buch oder die Bücher für mich so wertvoll sind. Eintragen lohnt sich.


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Was schenke ich meiner Mutter zu Weihnachten?

Hey,

Heute zeige ich mich ausnahmsweise mal in meiner Funktion als der gute Sohn. Denn ich habe bereits ein etwas zu Weihnachten für meine Mutter besorgt. Dazu muss ich aber jetzt ein wenig ausholen.

Meine Mutter hat vor etwa zwei Jahren einen Vorstandsposten in einem Bundesverband übernommen. Das ist sehr unterhaltsam und bereichert mich jedes Mal, denn das was sie erzählt erinnert an eine Mischung aus:

  • eine Desperate Housewives Folge, in der sie ein Tennismatch im Country Club organisieren und
  • House auf Cards

ich bin wirklich immer wieder fasziniert davon, welch einen großen Teil der menschlichen Kommunikation Machtspiele ausmachen. Intrigen zu spinnen und seinen Mitmenschen das Schlechteste zu gönnen, scheint in meiner Familie zu liegen und deswegen ist meine Mutter wie geschaffen für einen Job, wo sie beides machen kann. Und das meine ich nicht mal böse.

Auf jeden Fall höre ich mir immer sehr interessant an, was sie wieder von ihrem machiavellistischen Puppentheater zu berichten hat. Bei manchen Sachen kann ich aber nur den Kopf schütteln, dass sich erwachsene Menschen jenseits der 40 wirklich so aufführen. Deswegen brauchen einige der Jungs und Mädels da in Berlin ein bisschen Nachhilfe von den wirklich schweren Jungs.

Meine Mutter kriegt daher dieses Jahr

Drei meiner absoluten Lieblingsbücher.

Von Robert Greene habe ich euch schon in der letzten Mail berichtet. Wer das grad nicht mehr auf dem Schirm hat kann hier noch mal nachlesen: https://www.samfeuerstein.com/der-groesste-showman-aller-zeiten/

Sun Tsu, ein chinesischer Philosoph und General, hat vor etwa 2500 Jahren eine Abhandlung über den Krieg verfasst. Das Buch lässt sich relativ leicht lesen, doch bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass die Informationsdichte wirklich extrem hoch ist. Sun Tsu sollte daher meiner Meinung nach eher psychologisch betrachtet werden.

Eine meiner Lieblingspassagen aus seinem Werk ist:

“Wenn wir auch schon von dummer Hast im Kriege hörten, werden wir doch niemals sehen, dass sich Klugheit mit Verzögerung paart. Es gibt kein Beispiel eines Landes, das von langwierigen Feldzügen profitiert hätte.”
– Sun Tsu

Obwohl er von Krieg spricht, lässt sich diese Erkenntnis auf so ziemlich jede Situation im privaten wie auch im geschäftlichen Umfeld anwenden. Ich rufe mir diesen Satz immer wieder ins Gedächtnis, wenn ich merke, dass ich beginne (schweirigen) Entscheidungen aus dem Weg zu gehen oder sie in die Zukunft verlegen will. Sun Tsu lehrte mich, dass es wichtig ist schmerzhafte Entscheidungen sofort zu fällen und durchzuziehen. Dass ich meistens nur verliere, wenn ich mir Zeit lasse Dinge zu tun, die getan werden müssen. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich dieses Prinzip immer und in jeder Lebenslage ausnahmslos umsetze, aber ich glaube, ich bin auf einem guten Weg.

Einer der bekanntesten Sätze des Generals Sun Tsu ist aber folgender:

“Kenne deinen Feind und kenne dich selbst und du wirst den Ausgang von 100 Schlachten nicht fürchten müssen”

Das ist – glaube ich – etwas, was ziemlich oft falsch verstanden wird. Wir machen uns oft viele Gedanken darüber andere zu überzeugen oder die Fehler bei anderen zu suchen, doch wenn wir nicht gleichzeitig überlegen, wie wir mit uns selbst umgehen müssen, ist das mehr oder weniger nutzlos. Oft überschätzen wir uns, wir stehen uns mit unserem Ego im Weg oder sind so darauf fixiert, den anderen von uns zu überzeugen, dass wir vollkommen aus den Augen verlieren, was wir gerade alles über uns preisgeben.

Besonders gut gefällt mir, wie Sun Tsu ebenfalls ausführt:

“Der General, der einen Kampf gewinnt, macht sich in seinem Tempel viele Gedanken, bevor der Kampf ausgetragen wird. Der General, der einen Kampf verliert, macht sich vorher nur wenige Gedanken. So führen viele Überlegungen zum Sieg und wenige in die Niederlage, erst Recht wenn man gar keine Überlegungen anstellt. Indem ich diesem Punkt meine Aufmerksamkeit widme, kann ich vorhersagen wer wahrscheinlich gewinnen und wer verlieren wird.”

Okay, ich könnte jetzt noch das ganze Buch analysieren. Aber da meine Mails sowieso schon immer so lang sind, möchte ich dir nur noch eine gute Anektdote über Sun Tsu mit auf den Weg geben.

Die Story ist ein bisschen strange. Als ich sie das erste Mal gehört habe (und ich weiß nicht mal, ob sie wahr ist, oder ob man sie Sun Tsu nur zuschreibt) war ich eher schockiert und konnte nicht wirklich was damit anfangen. Aber in den letzten Jahren (und meine erste Begegnung mit Sun Tsus Lehre und dieser Geschichte ist schon über 7 Jahre her!) hat sie für mich wirklich an Bedeutung gewonnen.

Der Kaiser von China hatte Sun Tsu zu sich gerufen, da er einen Befehlshaber für seine Armee suchte. Doch er wollte den General vorher auf eine Probe stellen, also sagte er ihm: “Wenn du es schaffst den Frauen am Hof die Grundzüge des Militärs beizubringen und sie deinen Befehlen Folge leisten, wirst du die Armee übernehmen” Sun Tsu stimmte zu.

Dann wurden die Damen versammelt. In ihrer traditionellen Chinesischen Kleidung standen sie gelangweilt vor dem General, kicherten, redeten miteinander, schenkten ihm wenig Beachtung. Sie waren es schließlich gewohnt, dass sie nicht mit Bestrafung rechnen mussten, weil sie für ihren Kaiser einen so hohen sozialen Wert darstellten.

Sun Tsu griff sich zwei Damen raus und erklärte ihnen, sie seien nun die Offiziere und dafür verantwortlich, dass die ganze Truppe den Weisungen des Generals Folgeleisten möge. Dann erklärte er die grundlegenden Befehle. Wenn er rechts rum sage, sollen sie sich nach rechts drehen. Wenn er links rum sage, sollen sie sich nach links drehen. Das wars auch schon. Er stellte sich vorne hin und befahl: “Rechts rum!”

Doch keine der Damen gehorchte. Sie lachten nur. Lachten über den Mann und seine Befehle, für sie sie überhaupt nicht empfänglich waren und den sie überhaupt nicht ernstnahmen.

Sun Tsu blieb gelassen. Er erklärte: “Wenn die Truppe die Befehle nicht ausführt, dann liegt es daran, dass der General seine Erwartungen nicht deutlich genug kommuniziert hat”. Daraufhin wiederholte er die Erklärung, bis er sich sicher war, dass die Anwesenden es rational auch wirklich verstanden haben.

Er wiederholte seinen Befehl. Rechts rum. Doch erneut lachten die Frauen. Es war nicht, dass sie nicht verstanden hätten, was er von ihnen gewollt hatte. Es war viel mehr, dass sie ihn nicht für voll nahmen. Sie gaben ihm keine Macht über sich, weil seine Befehle und die etwaigen Konsequenzen keine Auswirkungen auf ihr Leben gehabt hätten.

Sun Tsu blieb ruhig. Er erklärte: “Wenn der General seine Befehle deutlich kommuniziert hat, dann ist es die Schuld der Offiziere, dass die Truppe nicht gehorcht”

Daraufhin griff er sich die beiden Frauen, die er zuvor als Offiziere ausgesucht hatte und ließ ihnen die Köpfe abschlagen. Der Kaiser wollte noch intervenieren, er bot Sun Tsu an, dass er den Posten bekäme, wenn er die Frauen verschone. Doch der General ließ sich nicht darauf ein. Er zog sein Programm eiskalt durch. Bestimmte zwei neue Offiziere aus dem Heer und wiederholte seinen Befehl: Rechts rum. – Diesmal führten alle die gewünschte Handlung durch.

Das ist ne ziemlich krasse Story und ich will dir jetzt nicht mit auf den Weg geben, dass du zukünftig mit ner Axt durch die Welt laufen sollst. Aber du kennst sicherlich das Gefühl, dass dich Menschen nicht ernst nehmen. Oder dass andere (vor allem in deinem Business) das Gefühl haben, es hätte keine Konsequenzen für sie, wenn sie ihre Aufgaben nicht erfüllen.

Vielleicht gibt dir die Story etwas zu denken und du fängst an zu hinterfragen, wo du einfach nicht kongruent warst. Wo du erwartet hast, dass man dir Respekt für etwas entgegen bringt, was du zu dem Zeitpunkt einfach nicht warst. Aber wie gesagt, bring deine Freelancer, Angestellten, Coworker whatever bitte nicht um. Obwohl ein kluger Mann mal gesagt hat:

Seine Feinde soll man entweder verwöhnen oder vernichten

und bevor du jetzt sagst “hey meine Freelancer sind nicht meine Feinde” direkt noch ein Zitat vom gleichen Urheber:

Es ist besser gefürchtet zu werden, als geliebt, denn Furcht lässt sich kontrollieren

Nein Spaß, die beiden Zitate hab ich jetzt nur angebracht, weil die Überleitung so gut passte. Der Urheber ist nämlich Niccolò Machiavelli.

Von Machiavelli berichte ich dir in einer anderen Mail ausführlicher.

Und wie gesagt: sei konsequent, aber übertreib es nicht. Zieh dir mal den Sun Tsu rein, man lernt wirklich viel.

Wenn du jetzt Blut geleckt hast, kannst du einfach mal bei Amazon vorbeischauen, nutz dafür meinen Empfehlungslink http://amzn.to/2Alo36w oder gib “Sun Tsu” in die Suche ein. Du kannst aber auch einfach mal in den großen Buchhandlungen in Deutschland vorbeischauen. Thalia, Mayersche oder Hugendubel haben ja meistens im Eingangsbereich ne Ecke mit Klassikern, die sehr günstig zu haben sind. Meistens liegen da Bücher von Nikol oder Anaconda. In 8 von 10 Fällen gibt es da eine Sun Tsu Ausgabe für rund 5 Euro.

So ich würd ja sagen, ich pack jetzt mal, weil ich morgen um viertel nach 9 zum FRAport aufbreche. Aber hey wir wissen beide, dass ich das nicht tun werde (sondern erst morgen um 08:35 damit anfange).

Sun Tsu

Jede Kriegskunst beruht auf Täuschung

Also wir sehen uns
(spätestens in der Hölle)
cheerio

Sam

Sam
 

Ich bin Sam. Bei mir dreht sich alles darum, wie ich Schwachstellen und Lücken finden kann, um mein Leben extravaganter zu gestalten. Ich lebe die meiste Zeit in Hotels oder auf einer Mittelmeerinsel. Ich mag Anzüge, Bücher und gutes Essen. Außerdem habe ich mal viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat!