Jeden Freitag neue Buchtipps

Es gibt nicht viel Regelmässigkeit in meinem Leben. Eigentlich gar keine. Aber eins ist sicher: Jeden Freitag schreibe ich eine Mail an meine Kontakte, in denen ich ihnen for free mindestens einen guten Buchtipp gebe zusammen mit der Info, wieso dieses Buch oder die Bücher für mich so wertvoll sind. Eintragen lohnt sich.


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Wie ich meine Konzentration EXTREM verbessert habe

ICH HABE DIE AUFMERKSAMKEITSSPANNE EINES GOLDFISCHES

Ganz ehrlich, ich hatte immer die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches. Ich kann nicht lesen, wenn im Hintergrund der Fernseher läuft, nicht mal, wenn nur ein Fenster auf ist. Ich trage die meiste Zeit des Tages Ohropax, weil mich Geräusche unheimlich ablenken und stressen. Und Jahrelang habe ich immer wieder damit gekämpft, dass ich Sätze oft drei oder vier Mal lesen musste, bis ich mich wirklich darauf konzentrieren konnte. Ich habe an Büchern teilweise echt eine Ewigkeit gelesen.

Eine Seite gelesen, auf mein Handy geschaut, oh ein Katzenvideo, Whatsapp auf, nur ein paar Nachrichten beantworten, Whatsapp zu, jetzt lese ich aber weiter. Was, schon eine Stunde vorbei und ich habe nur fünf Seiten geschafft?

Das war mein Leben für lange Zeit. Und obwohl ich immer der Meinung war, dass das alles nur eine Übungssache ist, fiel es mir sehr schwer meine guten Vorsätze „Konzentration üben“ in die Tat umzusetzen.

Die gute Nachricht

Die gute Nachricht ist, dass es tatsächlich nur eine Übungssache ist. Ich bin der Meinung, alles im Leben ist Übung. Unser stärkstes Fundament sind unsere Gewohnheiten und so, wie wir uns angewöhnen unsere Tätigkeiten immer wieder zu unterbrechen, so können wir uns auch angewöhnen am Ball zu bleiben. Es ist erschreckend, dass meine Generation wirklich nur noch eine Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Sekunden hat und die noch jüngeren sogar eine noch kürzere. Und woher kommt es? Die Probleme sind hausgemacht. Wir haben uns angewöhnt, uns nicht zu konzentrieren. Wir haben uns angewöhnt, dauernd Facebook zu checken, die Benachrichtigungen von Whatsapp anzulassen und unsere Tätigkeiten ständig zu unterbrechen. Wir haben die Gewohnheit geschaffen, einen großen Teil unserer Energie auf das „Scannen anderer Reize“ zu verwenden, statt auf Fokus.

Die gute Nachricht ist, dass wir diese Gewohnheit auch wieder ändern können. Doch es ist so schwer anzufangen. Vor allem wenn die Ablenkungen alle so stark sind.

Neue Gewohnheiten schaffen

Ich habe unheimlich gute Erfahrungen damit gemacht, mir bessere Gewohnheiten zu schaffen. Ich cutte ganz radikal Social Media. Ich habe die Benachrichtigungen auf meinem iPhone ausgestellt und mehr noch. Ich verwende inzwischen bestimmte Tools und Software – online und offline – um meine Produktivität zu monitoren und in die richtige Richtung zu lenken.

Energie folgt der Aufmerksamkeit

Ich habe gelernt, dass wir automatisch in Dingen besser werden, wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten und unseren Fortschritt dokumentieren. Diese „Regel“ hat sich für mich schon mehrfach bestätigt. Ganz egal welches Ziel ich erreichen wollte. Jeden Tag, seinen Fortschritt zu dokumentieren, ist das Beste, was man machen kann!

Bei mir hält so ein Notizbuch für etwa 2 Monate. In regelmässigen Abständen setze ich mich hin und übertrage meine Notizen in Evernote. Dort tagge ich sie. Das hat den Vorteil, dass ich irgendwann nicht mehr alle meine handschriftlichen Notizen immer mit mir rumtragen kann. Außerdem lässt sich digitalisiertes besser durchsuchen.

Offline dokumentiere ich meinen Fortschritt mit verschiedenen Notizbüchern. Ich habe ein „Hauptnotizbuch“, dort mache ich mir Notizen, zu Sachen, die ich lese oder höre. Ich halte aber auch meine Gedanken fest oder mache mir Bemerkungen in Gesprächen. Als ich angefangen habe diese Zeit fest einzuplanen und regelmässig meine Gedanken aufzuschreiben, wurde es zu einer Gewohnheit. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich jemals ohne Leben konnte.

Außerdem benutze ich einen Kalender um festzuhalten, an welchen Tagen ich wohin gefahren bin. Damit rechne ich am Ende jedes Monats aus, wie viele Kilometer ich gereist bin. Und ich habe noch ein Notizbuch, in dem ich mir nur visuelle Notizen und Sketches mache.

Mein Kalender ist von bestSELF.

Hier geht es zu Evernote.

Über Forest und aTimeLogger2 habe ich bereits hier gebloggt: Zeitmanagement

Auf meinem Handy benutze ich aTimeLogger 2. Das ist eine geniale App. Ich kann damit ganz einfach meine Zeit tracken und am Ende des Monats sehen, wie viel Zeit ich zum Beispiel mit Lesen verbracht habe. Ich kann aber auch für bestimmte Aktivitäten Ziele einrichten. Ich sage zum Beispiel, dass ich jeden Tag 2 Stunden lesen möchte und setze mir das als Ziel. Dann sehe ich in einem Diagramm, wie weit ich vom Erreichen meines Ziels entfernt bin.

Gleichzeitig kann ich aber auch Aktivitäten beschränken. Ich möchte nicht mehr als 1 Stunde am Tag fernsehen? Dann lege ich mir als ziel an, nicht mehr als eine Stunde fernzusehen.

Ich habe echt gute Erfahrungen damit gemacht, mir für Dinge – die ich öfter tun möchte – Ziele anzulegen. Es motiviert mich, diese Ziele jeden Tag zu erreichen. Neben den täglichen Zielen lege ich daher auch Wochen- und Monatsziele an. Im Oktober 2016 ist mein Ziel 100 Stunden zu lesen!

Um mich davon abzuhalten, immer am Handy zu hängen, benutze ich Forest. Eine App, die einen dazu erziehen will das Handy aus der Hand zu legen. Sie funktioniert mit sehr simpler Gamification. Ich stelle einen Timer und während ich einer bestimmten Tätigkeit nachgehe, wächst ein Baum. Verlasse ich die App für mehr als 10 Sekunden (ist das Handy gesperrt, bleibt man in der App), stirbt er. Am Ende habe ich ein ganzes Feld mit gesunden Bäumen oder mit kaputten Bäumen der Schande. Diese Schandbäume gilt es zu vermeiden, ich möchte also meine Aktivität immer erst Beenden, bevor ich Whatsapp oder Facebook checke.

Forest gibt es auch als Browser Extension für Chrome, allerdings kann man nicht mit einem Baum sowohl den PC als auch das Handy sperren, hier besteht verbesserungsbedarf!

Ablenkung durch Fokus ersetzen

Es ist die Übung, die Übung, verdammt noch mal die Übung

Wie schon anfangs geschrieben: es ist tatsächlich die Übung. Die Konzentration verbessert sich, wenn man öfter ohne Ablenkung arbeitet. Für mich funktioniert es besonders gut, wenn ich wirklich an meine Grenzen gehe. Was mir dabei echt geholfen hat, ist das Programm Flowstatte.

Flowstate funktioniert so, dass man einen Text schreibt und vorher einen Timer setzt. Man darf nicht länger als 5 Sekunden aufhören zu tippen, sonst ist der ganze Text unwiderruflich gelöscht. Das klingt nach einem Alptraum. Ist es auch. Aber für Leute wie mich ist es ideal. Denn dieses Programm zwingt mich meine „Schreibblockaden“ über Board zu werfen. Wenn mir nichts einfällt, dann tippe ich einfach weiter. Ich tippe, bis mir etwas einfällt. Nach wenigen Sekunden, habe ich dann die Ablenkung vergessen und bin wieder vollkommen auf meine Tätigkeit konzentriert.

Anfangs habe ich Flowstate auf 5 Minuten gestellt. Länger ging es wirklich nicht. Dann wurden die Intervalle immer größer und größer. Man kann es sich kaum vorstellen, aber inzwischen mache ich das Ding gar nicht mehr an, wenn ich nicht die Zeit habe mindestens eine halbe Stunde am Stück zu schreiben. Oft schreibe ich sogar eine Stunde am Stück durch. Das war früher unvorstellbar für mich.

Es wird immer besser

Flowstate ist nicht das einzige, was mich gezwungen hat, bei meiner Konzentration wirklich an die Grenzen zu gehen und diese Grenzen auszuweiten. Auch beim Lesen habe ich mich immer wieder gezwungen wirklich große Zeitintervalle ohne Ablenkung durchzulesen. Forest motiviert mich da, denn man bekommt mehr Punkte, wenn man größere Zeitspannen auswählt. Unter 25 Minuten kriegt man nur sehr wenig Punkte. Das hat dafür gesorgt (während ich das schreibe, lache ich über mich selbst, weil ich wirklich so leicht von einer Baumapp zu manipulieren bin), dass ich gar nicht erst anfange zu lesen, wenn ich nur noch weniger als 25 Minuten Zeit habe.

Das klingt jetzt erstmal nach einem Nachteil. Aber in Wirklichkeit ist es ein Vorteil. Ich weiß zum Beispiel, dass ich für 02:45 Stunden in einem Zug sitze. Wenn ich 2,5 Stunden lesen will, so muss ich sofort anfangen. Ich habe nur einen „Puffer“ von 15 Minuten. Ich fange also sofort an und lese in einem zwei Stunden Intervall. Dann mache ich eine Pause. Aber nur wenige Minuten und schiebe das 30 Minuten Intervall direkt hinterher, so schaffe ich es dann mir vor dem Aussteigen noch etwas „Puffer“ zu schaffen, damit ich ausreichend Zeit habe meine Sachen zusammenzupacken. Ich weiß genau, wenn ich in den Zug einsteige und erstmal ausgiebig rummpimmel (aka Whatsapp und Facebook), dann werde ich es dieses Ziel nicht erreichen.

Schwanzvergleich: Gib mir Zahlen, Baby!

Ganz ehrlich. Meine Konzentration ist IMMER weiter gestiegen. Ich schreibe inzwischen locker eine Stunde in Flowstate durch. Ich kann ganz easy 2 Stunden am Stück lesen. Ich bin richtig, richtig, richtig produktiv geworden. Aber jetzt möchte ich euch ein paar Zahlen liefern. Wie viel ist denn jetzt viel?

  • Lesen
  • Bücher

August: 25 Stunden gelesen – ca. 6 Bücher geschafft

September: ca. 65 Stunden gelesen – 10 Bücher geschafft

Oktober: 100 Stunden gelesen – 15 Bücher geschafft

Es kommt immer darauf an, wie schwer Bücher zu lesen sind. An fremdsprachlichen Texten lese ich natürlich länger, als an deutschen. Wenn ich mir viele Notizen zum geschriebenen mache, brauche ich natürlich auch länger als bei Romanen. Die Buch-Ziele sind daher nur Richtwerte.

Das Problem, wenn man wirklich viel liest und die Lösung

Wenn man wirklich viel liest, dann benötigt man Zeit um das gelesene zu verarbeiten. Alles andere ist Bulimielernen. Wenn ich in einer Woche fünf verschiedene Motivationsbücher lese, verschwimmen die Informationen in meinem Kopf. Ich komme nicht dazu, die neuen Informationen zu verfestigen. Ich muss das Wissen aufbereiten, verarbeiten, festigen.

Ich mache daher verschiedene Sachen, um sicherzustellen, dass ich auch behalte, was ich lese.

  • Ich mache mir Notizen
  • Ich spreche mit möglichst vielen Menschen darüber, was ich zur Zeit lese und was ich daraus mitgenommen habe
  • Mein Killertipp: ich mache wirklich harte Schnitte zwischen den Themen

Hier eine Liste der Bücher, die ich im September gelesen habe:

Du siehst ich lese wirklich sehr viele verschiedene Sachen. Ich mixe die unterschiedlichsten Themen miteinander. Während ich ein neues Buch lese, verarbeitet mein Geist noch die Informationen aus dem letzten. Oft stelle ich trotzdem Verbindungen her, doch der Inhalt ähnelt sich nicht so sehr, dass ich die Bücher miteinander vermische. Ich habe so einfach mehr Trennschärfe.

Sam
 

Ich bin Sam, 27, Reisender und zur Zeit „obdachlos auf ganz hohem Niveau“. Ich habe mal sehr viel Geld mit eBooks verdient, bis Amazon es mir verboten hat.

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4 Orte, an denen schreibe und arbeite - Sam Feuerstein - 14. November 2016

[…] kann nicht jeder und auch ich musste es erst lernen. Denn mein Problem ist: ich habe die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches. Ich bin unheimlich kreativ und mir gehen jeden Tag tausend Gedanken durch den Kopf. Ich lasse mich […]

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Jahresrückblick 2016 und mein neues Buch - Sam Feuerstein - 5. Dezember 2016

[…] In diesem Artikel findet ihr hier Informationen darüber, wie ich meine Konzentration enorm verbessert habe und wie ich es geschafft habe, viel mehr zu lesen. Allerdings habe ich in den letzten Wochen so viele Erfahrungen darin gemacht, wie ich es schaffe mehr zu lesen und mehr zu behalten, dass ich mich Ende diesen Jahres entschieden habe ein neues Buch zu schreiben. […]

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Mit diesen fünf Tipps schaffst auch du es mehr zu lesen - Sam Feuerstein - 23. November 2017

[…] Probier die App mal aus. (Hier habe ich auch darüber geschrieben)  […]

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PDF Version Mit diesen fünf Tipps schaffst auch du es mehr zu lesen - Sam Feuerstein - 24. November 2017

[…] Probier die App mal aus. (Hier habe ich auch darüber geschrieben)  […]

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