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September 25, 2021

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Long Story Short: Nein.

Aktuell werden Podcaster, die ihren Podcast auf Spotify veröffentlichen nicht bezahlt. Allerdings werden sie dafür auf den meisten anderen Plattformen auch nicht bezahlt. So zum Beispiel auf Apple Podcasts, Deezer und etlichen anderen Podcastplattformen.

Es gibt allerdings auch Plattformen, auf denen Podcaster etwas für ihren Podcast bekommen. Und es gibt gute Gründe den Podcast trotzdem über Spotify zu veröffentlichen.

Warum Spotify Podcaster*innen nicht bezahlt und die Plattform insgesamt trotzdem davon profitiert:

Zunächst einmal muss man verstehen, wie Spotify Geld verdient.

Alle Menschen mit einem Spotify Premiumabo zahlen monatlich einen Betrag, nachdem Spotify davon einen Teil für das Unternehmen abgezogen hat, wird der Restbetrag in einen Topf geworfen und durch die Anzahl der Streams von Künstler*innen geteilt.

Ausführlich habe ich das in diesem Artikel beschrieben: Wie viel bekommt ein Künstler pro Stream auf Spotify?

In der Zeit, in der Menschen Podcasts hören, nutzen sie Spotify. Spotify verliert die Menschen also in dieser Zeit nicht an die Konkurrenz.

Gleichzeitig zahlt Spotify aber keine Tantieme an die Podcaster*innen aus. Also wird der Pool für die Künstler*innen gestärkt.

Angenommen du hörst 2 Stunden am Tag Podcasts, Hörbücher und Musik,

Früher bist du für Hörbücher zu Audible oder Bookbeat gegangen, für Podcasts zu Apple Podcast und für Musik zu Spotify.

Heute kann Spotify dir das alles aus einer Hand bieten. Du musst für viele Hörbücher nicht mehr zu Audible oder Bookbeat, du kannst sie bei Spotify hören (und Spotify entlohnt die Rechteinhaber auch dafür. Ein interessanter weiterführender Artikel dazu ist dieser: Wieso Bibi Blocksberg und die Drei ??? von Spotify verschwinden könnten) auch für die Podcasts musst du nicht mehr in eine andere App wechseln.

Dein Medienverhalten hat sich also sehr stark zu Spotify verlagert => Das will Spotify! Weil so Nutzer*innen an das Produkt gebunden werden.

Wenn du aber 1 Stunde Podcasts hörst und 1 Stunde Hörbücher und Musik hörst und Spotify die Podcaster*innen genau so vergüten würde, wie die „normalen Künstler“, würden die „normalen Künstler“ viel weniger Geld bekommen, weil sie sich deinen Teil von deinem 10 Euro Abo mit viel mehr Menschen teilen müssten.

Wenn Spotify die Podcaster*innen nicht bezahlt, bleibt mehr Geld für die anderen.

Werden Podcaster*innen von Spotify ausgenutzt?

Das sehe ich nicht so. Für die meisten Podcaster*innen ist Spotify eine sehr gute Möglichkeit um eine große Reichweite aufzubauen und darauf aufbauend eigene Produkte zu verkaufen. In vielen Fällen ist es für Contentschaffende sowieso sinnvoller nicht im Front-End Geld zu verdienen.

Warum sich Spotify für Podcaster*innen trotzdem lohnt?

Podcaster können über Spotify eine hohe Reichweite erzielen. Vor allem, weil Podcasts durch Spotify auch für Menschen zugänglich wurden, die nicht zu den typischen Podcasthörenden gehören.

Ich habe hier eine Statistik von einem Podcast, an dem ich mitarbeite:

Das ist die Podcast Statistik aus Apple Podcast.

Im Vergleich dazu die Statistik für den selben Podcast im selben Zeitraum für Spotify:

Spotify lohnt sich in diesem Fall viel mehr. Wir erzielten im gleichen Zeitraum mit Spotify über eine halbe Millionen Starts und erreichten fast 180.000 Hörende (im Vergleich zu Apple Podcasts wo nur 12.000 Hörende erreicht wurden).

Das kann natürlich für euren Podcast komplett anders aussehen!

Ich denke aber, dass die meisten Podcaster*innen von der Reichweite auf Spotify massiv profitieren werden.

Wo werden Podcaster bezahlt?

Podimo ist eine Plattform, auf der Podcaster etwas für ihren Podcast bekommen. Eine andere Möglichkeit für Podcaster ist es, ihren Podcast auf ihrem Youtube Channel hochzuladen und von den Werbeeinnahmen zu profitieren. Podcast Distributor wie Podigee bieten die Möglichkeit den Podcast auch automatisch auf den Youtubechannel zu posten. Wenn der Channel monetarisiert ist (4.000 Stunden Watchtime und mindestens 1.000 Follower), so kann der Channelinhaber Werbeanzeigen aktivieren und wird an den Einnahmen beteiligt.

Wie viel man pro 1.000 Aufrufe bekommt ist sehr unterschiedlich. Es hängt von der Länge des Videos ab, vom Thema usw. Ein Richtwert sind hier aber wohl so 1-2 Euro. Da Podcastepisoden meistens länger sind und die Zuhörenden häufig eine hohe Verweildauer erzielen, ist der Betrag wohl höher. 3-5 Euro pro 1.000 Aufrufe können also durchaus realistisch sein.

Hier ein Beispiel für eine Podcast-Episode, die ich auf Youtube hochgeladen hatte:

In diesem Fall hat die Episode natürlich eine traumhafte Reichweite erzielt, wie es nicht für jede Podacst-Episode der Fall ist.

Der Channel ist nicht monetarisiert!

Gedankenexperiment: Mit dem Podcast auf einem monetarisierten Youtube Channel Geld verdienen

Wäre der Channel monetarisiert gewesen und gehen wir mal davon aus, dass 80% der Wiedergaben monetarisiert gewesen wären (manche Menschen benutzen einen Adblocker, andere streamen Podcasts zum Beispiel auf dem Fernseher, wo häufig weniger Werbung läuft als übers Smartphone oder am PC), so hätte diese Podcast Episode 69.577 x 0,8 => 55.661,6 monetarisierte Aufrufe erzielt.

Durchschnittlich knapp unter 3,5 Minuten Wiedergabezeit ist okay, aber definitiv verbesserungsfähig. Also nichts, was den Youtube-RPM (revenue per mile, also wie viel man für 1.000 Aufrufe bekomme) durch die Decke schießen lässt.

Angenommen ich hätte 2 Euro für 1.000 Aufrufe bekommen (nicht komplett unrealistisch), so hätte ich mit dieser Episode etwa 110 Euro erzielen können.

Das ist nicht die Welt, die meisten Podcaster*innen könnten nicht davon leben. Es wäre aber im Einnahmenmix keine schlechte Einnahmequelle gewesen, wenn man bedenkt, dass Spotify + Apple Podcasts gar nichts vergüten.

Als Podcaster*in auf Podimo verdienen

Seit kurzem gibt es auf dem deutschen Markt einen neuen Podcast Anbieter, der Podcastern die Möglichkeit gibt für ihre Inhalte bezahlt zu werden. Ehrlich gesagt ist Podimos Auszahlungsmodell auf den ersten Blick nicht so leicht zu verstehen. Ich hatte im Vorfeld versucht herauszufinden, mit wie viel Geld man als Podcaster bei Podimo auf 1.000 Streams rechnen kann, aber es war zum damaligen Zeitpunkt noch etwas kryptischer als heute.

Ich habe daraufhin einige Projekte auf Podimo gestartet, sowohl exklusive als auch nicht exklusive Podcasts. Damals wurden nicht-exklusive Podcasts noch schlechter vergütet, als exklusive. Inzwischen fand hier eine Angleichung statt.

Grob kann man sagen, dass der Podcaster 50% des Mitgliedsbetrags eines Podimo Nutzers bekommt, anteilig an der Hörzeit. Wenn also jemand ein Podimo Abo abschließt und nur euren Podcast hört, bekommt ihr 50% von dem was er monatlich für sein Abo zahlt. Das wäre netto aktuell ein Verdienst von ca. 2 Euro. Natürlich hören die meisten aber auch andere Podcasts, daher wird euer Verdienst pro Hörer sehr wahrscheinlich geringer ausfallen. Wenn ihr als nicht exklusiver Podcast auf Podimo vertreten seid, bekommt ihr Streams von Free-Mitgliedern natürlich gar nicht vergütet.

Ausführlich habe ich meine Erfahrungen mit der Vergütung auf Podimo hier geschildert.

Wer sich Podimo mal anschauen will, kann mit meinem Affiliatelink auf die Mitgliedschaft sparen.

Die Win-Win Situation von unbezahlten Podcaster*innen auf Spotify:

Das Fazit dieses Artikels ist, dass es sich für beide Seiten lohnt, wenn Podcaster auf der Plattform sind. Spotify stärkt dadurch die Auszahlungsquoten, was dazu führt, dass große Künstler weiterhin auf Spotify vertretbar sein wollen.

Podcaster bekommen eine tolle Reichweite. Ich habe sogar den Eindruck, dass Spotify Podcasts bevorzugt über die Suche ausspielt. Wenn es zum gleichen Thema ein Hörbuch und einen Podcast gibt, wird tendenziell eher der Podcast ausgespielt. Was ja aus Unternehmenssicht auch absolut sinnvoll ist. Den Nutzer binden mit Inhalten, die nicht bezahlt werden müssen. Wenn er weiter sucht, kann er immer noch bei den Rechteinhabern landen, für die Spotify Tantieme zahlt.

Über den Autor

Sam Feuerstein

Ich liebe es nach Abkürzungen zu suchen. Seit über 10 Jahren beschäftige ich mich mit Algorithmen von Google, Facebook, Amazon und anderen großen Konzernen, um das beste für mich herauszuholen.

Am besten erreichst du mich über Instagram: Instagram.com/SamFeuerstein

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