Oura Ring Review nach einem Jahr

Vor etwa einem Jahr habe ich mir einen Ring von Oura gegönnt und ihn seit dem durchgĂ€ngig getragen. Heute möchte ich ein paar Vor- und Nachteile gegenĂŒber anderen Fitnesstrackern besprechen.

Vorteile des Oura Rings gegenĂŒber anderen Fitness Trackern (und Besonderheiten)

Inaktive Zeit mit Oura messen

Alle anderen Tracker zÀhlen meine aktive Zeit. Zum Beispiel die Trainingsminuten bei der Apple Watch (oder auch einfach die Stehminuten bei der Apple Watch).

Sie sind fĂŒr Menschen geeignet, die Performance AnnĂ€hrungsziele haben, die also versuchen ein bestimmtes Bewegungsziel zu erreichen. Der Oura Ring setzt seinen Fokus auf Performance Vermeidungsziel, er will die inaktive Zeit minimieren.

Dabei unterscheidet er in feineren Facetten. Die Apple Watch hat nur Trainingsminuten und Stehminuten. Um als Trainingsminute zu zĂ€hlen, muss der Puls bei der Bewegung einen bestimmten Schwellenwert ĂŒberschreiten. Das kann fĂŒr sehr trainierte Menschen frustrierend sein, da sie durch normales Spazierengehen kaum mehr Trainingsminuten dazu bekommen.

Wenn du also sehr trainiert bist, kann es fĂŒr dich an einem Tag, an dem du kein Training im engeren Sinne machst, schwer sein dein Trainingsziel durch normale Bewegung im Alltag ĂŒberhaupt zu erreichen.

Anders ist es beim Oura Ring.

Oura und MET Minuten

Der Oura Ring unterscheidet zwischen Ruhe, InaktivitÀt, niedriger AktivitÀt, mittlerer AktivitÀt und hoher AktivitÀt.

So sind einfache AlltagstÀtigkeiten wie zum Beispiel kochen oder aufrÀumen niedrig intensive AktivitÀt. Lustigerweise wird auch Autofahren als niedrige IntensitÀt gezÀhlt, zumindest wenn man selbst fÀhrt.

Mittlere AktivitÀt sind TÀtigkeiten wie Spazierengehen und hohe AktivitÀt sind TÀtigkeiten, bei denen wir mehr Kalorien verbrauchen.

Im Hintergrund rechnet Oura mit MET Minuten. Leider kann man in der App direkt nicht einsehen wie viele MET Minuten der Ring tatsÀchlich pro Tag dokumentiert. Man kann sich aber am PC in das Webinterface von Oura einloggen. Dort sieht man, wie viele MET Minuten der Ring veranschlagt hat.

Hier ein Screenshot aus dem Oura Web Interace. Du kannst mich mit deinen Oura Daten auf https://cloud.ouraring.com/ einloggen.

Als InaktivitÀt zÀhlen TÀtigkeiten, wie am PC arbeiten, ein Buch lesen etc. Oura selbst sagt, dass mit InaktivitÀt TÀtigkeiten im Stehen und Sitzen gemeint sind.

Als Ruhe werden TĂ€tigkeiten gezĂ€hlt, bei denen man besonders still ist. Zum Beispiel meditieren oder auch tagsĂŒber einschlafen, was nicht immer als Schlaf erkannt wird. âžĄïž Ruhe zĂ€hlt nicht als inaktive Zeit!

❗ Oura empfiehlt, dass man die inaktive Zeit unter 5-8 Stunden halten soll.

Wie realistisch sind 8 Stunden InaktivitÀt?

Das klingt viel, ist aber wenig.

Wenn wir davon ausgehen, dass jemand 16 Stunden wach ist, bedeutet es, dass er 8-11 Stunden mit mindestens niedriger AktivitĂ€t fĂŒllen muss und das ist gar nicht so einfach.

Stellen wir uns einen normalen durchschnittlichen BĂŒrger eines Industrielandes vor, der in einem BĂŒrojob arbeitet.

Angenommen er fĂ€hrt jeden Tag eine halbe Stunde mit der U-Bahn zur Arbeit, verbringt dann 7,5 Stunden im BĂŒro und fĂ€hrt eine halbe Stunde zurĂŒck.

Selbst wenn er…

regelmĂ€ĂŸig aufsteht

sich immer freiwillig meldet, um zum Kopierer zu gehen

beim Telefonieren aufsteht und herumlÀuft

in der Mittagspause sein Essen im Gehen einnimmt…

…er wird am Ende des Tages sehr nah an die 8 Stunden herankommen und sie vielleicht sogar ĂŒbertreffen.

Selbst wenn er sie nicht ĂŒbertrifft, er wird sehr nah an diesen Schwellenwert herankommen.

Das bedeutet, dass er sich zu Hause so gut wie gar nicht mehr hinsetzen darf, um unter den empfohlenen 8 Stunden zu bleiben.

Das ist schon eine Herausforderung und ich bin froh, dass ich es hĂ€ufig schaffe unter dem 8 Stunden Wert zu bleiben. Das liegt aber vor allem daran, dass ich Arbeit so gut es geht vermeide und das bringt mich zum grĂ¶ĂŸten Vorteil des Oura Rings:

Der Oura Ring hat mich – eben wegen dieser InaktivitĂ€tsziele – produktiver gemacht

Ein „Problem“ meiner Arbeit ist, dass ich eigentlich sehr effizient bin oder besser gesagt sein kann…

HĂ€ufig arbeite ich nicht mal 10 Stunden im Monat. Viel zu tun entspricht durchschnittlich einer Stunde Arbeit am Tag.

Dazu kommt natĂŒrlich noch ein bisschen anderes sinnvolles Zeug, das ich am PC machen kann. Wie zum Beispiel fĂŒr Youtube Video recherchieren, neue GeschĂ€ftsmodelle austesten etc. Also schon Aufgaben, die langfristig sinnvoll sind, obwohl sie mir gerade kein Geld bringen.

Doch hĂ€ufig sitze ich trotzdem viel lĂ€nger am PC und mache irgendwas, was ich eigentlich nicht machen mĂŒsste. Ich checke zum 100x an diesem Tag meine Statistiken oder Emails oder scrolle durch Social Networks.

Darunter sind leider auch TĂ€tigkeiten, die ich einfach aus Gewohnheit mache, obwohl sie mir nicht wirklich Freude bereiten oder irgendwas Neues bringen.

Fokus auf sinnvolle InaktivitÀt

Hier hat mir Oura wirklich geholfen produktiver zu sein. Seit ich die InaktivitĂ€tsanzeige auf meinem Handy habe, teile ich mir Zeit, in der ich nicht in Bewegung bin deutlich besser ein. Ich beschrĂ€nke mich am PC auf das Wichtigste. So, dass ich tĂ€glich nur noch 2-3 Stunden ĂŒberhaupt am Schreibtisch verbringe.

Hinzu kommt jeden Tag etwas lesen und ich esse auch lieber im Sitzen und natĂŒrlich chille ich abends auch einfach gerne. âžĄïž weil es grundsĂ€tzlich nicht sehr schlafförderlich ist bis kurz vor dem ins Bett gehen körperlich aktiv zu sein.

Ich muss also meinen Tag besser einteilen und das mache ich, seit ich auf meine InaktivitÀt achte.

Mein Ziel ist es, dass ich um 20 Uhr Abends höchstens 5 Stunden InaktivitĂ€t angehĂ€uft habe, so dass ich noch 3 Stunden des Tages mit InaktivitĂ€t fĂŒllen kann. Das funktioniert fĂŒr mich sehr gut, weil es mir die Möglichkeit gibt so vor dem ins Bett gehen noch etwas runterzukommen und mĂŒde zu werden.

Vor 15 Uhr will ich höchstens drei Stunden InaktivitÀt angehÀuft haben, so dass mir zwischen 15 und 20 Uhr noch 2 Stunden bleiben.

Die drei Stunden am Vormittag fĂŒlle ich mit der wichtigsten Arbeit am PC – wobei Arbeit nicht im engeren Sinne definiert werden sollte – , die 2 Stunden am Nachmittag mit Essen und Lesen und Abends beschĂ€ftige ich mich vor allem mit Weiterbildung und kreativen Aufgaben.

Oura Momente

Abschließend will ich euch noch einen kleinen Trick verraten, den ich manchmal verwende, wenn ich morgens noch einmal die Augen zu machen will.

Eine meiner obersten PrioritĂ€ten ist es, jeden Tag auszuschlafen und generell so viel Schlaf und Ruhe zu bekommen, bis ich mich fit genug fĂŒr den Tag fĂŒhle, statt meinen Tagesbeginn in die Verantwortung eines Weckers zu legen. Deswegen mache ich gerne morgens, wenn ich zu mĂŒde bin, noch einmal die Augen zu.

Allerdings erkennt Oura hÀufig schon das erste Aufwachen als den Zeitpunkt, wenn die Nacht vorbei ist, selbst wenn ich danach noch mal einschlafe. Das gilt umso mehr, wenn man die App vorher schon öffnet.

Wenn ich also morgens noch besonders mĂŒde bin und noch mal fĂŒr eine halbe Stunde die Augen zu machen möchte, stelle ich bei Oura auf „Oura Moment“.

Der Oura Moment ist vergleichbar mit einer Meditationssession. WÀhrend dieser Zeit wird keine inaktive Zeit gezÀhlt. Es ist also Àhnlich wie der Punkt Ruhe, nur dass diese Ruhe absichtlich eingeleitet wird.

Dynamisches Kalorienziel

Ein großer Vorteil des Oura Rings ist, dass man jeden Tag ein angepasstes Kalorienziel bekommt.

Ich benutze jetzt seit ĂŒber 5 Jahren die Apple Watch, hier wird das Kalorienziel jede Woche neu eingestuft, je nachdem, wie hĂ€ufig man es in der vergangenen Woche erreicht hat.

Das Problem ist, dass das Kalorienziel von aktiven Menschen dadurch kontinuierlich immer höher und höher gesetzt wird. Irgendwann ist es dann so hoch, dass es nicht mehr möglich ist, es jeden Tag zu erreichen, außer man ist wirklich sehr sportlich und macht jeden Tag ein ausgiebiges Workout, das trifft aber wohl auf die wenigsten Apple Watch Besitzer zu.

Wenn man nun den Punkt erreicht hat, an dem das Ziel wirklich nur noch durch ein tĂ€gliches Workout erreicht werden kann, wird man es hĂ€ufig nicht mehr erreichen, was sehr frustrierend sein kann und dazu fĂŒhrt, dass man es nicht mehr regelmĂ€ĂŸig erreicht und es wird wieder runtergesetzt.

Kalorienziele auf Basis von Schlaf(qualitÀt) und VortagsaktivitÀt

Insgesamt ist das aus meiner Sicht nicht die beste Lösung. Da gefÀllt mir der Ansatz von Oura deutlich besser, denn Oura gibt mir jeden Tag ein Kalorienziel das darauf basiert, wie ich geschlafen habe, wie fit ich laut des Oura Algorithmus bin und wie aktiv ich am Vortag war.

Wenn ich mehrere Tage hintereinander sehr aktiv war, wird der Ring mir irgendwann von alleine sagen, dass ich mal einen Gang rausnehmen und auf Regeneration schalten soll.

Er erkennt aber auch, wenn ich schlecht geschlafen habe oder etwas anderes nicht stimmt. Dann gibt er mir auch ein niedrigeres Kalorienziel, was mir sehr entgegen kommt.

Jeder hat sicherlich schon mal eine richtig schlechte Nacht gehabt, vielleicht, weil er vorher eine schlechte Nachricht bekommen hat oder er aus welchen GrĂŒnden auch immer nicht schlafen konnte. Wenn man nur 3 oder 4 Stunden Schlaf bekommen hat und am nĂ€chsten Tag ein forderndes Workout machen soll, ist das meiner Meinung nach nicht wirklich sinnvoll.

Ich bin kein Experte fĂŒr Fitness und auch kein Arzt, aber wenn ich schon so wenig regeneriert habe, wĂŒrde ich es intuitiv lieber etwas ruhiger angehen, mich richtig ausschlafen und dafĂŒr am nĂ€chsten Tag ein Workout machen, statt meinen ohnehin schon gestressten Körper noch weiter an seine Leistungsgrenzen zu treiben.

Oura erkennt es sehr gut und gibt einem dann einfach ein niedriges Kalorienziel, das mit etwas Spazierengehen erreicht werden kann.

Zwei weitere Vorteile möchte ich noch nennen:

  1. Ist der Ring ein Wearable, das man wirklich kaum merkt. Das ist fĂŒr mich ein großer Vorteil, weil ich es generell nicht mag, Schmuck oder Ă€hnliches an meinem Körper zu tragen. Selbst die Apple Watch lege ich beim Arbeiten hĂ€ufig ab, weil sie mich einfach ablenkt. Der Ring fĂ€llt aber wirklich kaum auf.
  2. Das LadegerĂ€t des Rings ist eine kleine Runde Platte, das allein ist noch nicht so innovativ, doch das wirklich geile ist, dass man diese Platte mit einem Kabel mit USB C Laden kann und ich liebe es einfach, wenn GegenstĂ€nde einen USB C Anschluss zum Laden haben. USB C ist fĂŒr mich der Anschluss der Zukunft und ich kann nur hoffen, dass sich dieser Standard bei möglichst vielen weiteren GerĂ€ten durchsetzt. So kann ich mein Macbook, meine GoPro und das Oura LadegerĂ€t mit dem selben Label mit Strom versorgen und muss einfach weniger Kabel mitnehmen.

Nachteile:

Temperatur wird nur in Abweichung angegeben, nicht absolut.

Allgemein ist die Temperatur mit Vorsicht zu genießen, weil nur auf der KörperoberflĂ€che am Finger gemessen wird. Die Temperatur muss also nicht mit deiner körperinneren Temperatur korrelieren. Wenn deine HĂ€nde besser durchblutet werden, steigt die Temperatur ebenfalls, obwohl die Temperatur im Körperinneren konstant bleibt.


Insgesamt ist der Ouraring in den letzten Monaten zu einem meiner Lieblingsgadgets geworden.